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Grand Cru und Premier Cru in der Champagne

Die Gemeinden

Grand Cru und Premier Cru in der Champagne

Grand Cru und Premier Cru bezeichnen in der Champagne keine einzelnen Lagen, sondern ganze Gemeinden: 17 Dörfer dürfen Grand Cru auf das Etikett schreiben, 42 weitere Premier Cru. Die übrigen der 319 Crus der Appellation tragen keine dieser Angaben. Das Wort verrät also die Herkunft der Trauben, keine Note im Glas.

Was bedeutet Grand Cru beim Champagner?

Im Burgund ist ein Grand Cru ein genau umrissener Weinberg, manchmal nur wenige Hektar groß. In der Champagne gilt die Einstufung für das gesamte Gemeindegebiet. Ein Champagner darf Grand Cru heißen, wenn alle Trauben aus einer oder mehreren der 17 Grand-Cru-Gemeinden stammen. Alle liegen im Département Marne, keine einzige im südlichen Teil des Gebiets, der Aube.

Die meisten Grand Crus finden sich an der Montagne de Reims: Ambonnay, Beaumont-sur-Vesle, Bouzy, Louvois, Mailly-Champagne, Puisieulx, Sillery, Verzenay und Verzy. Hier wächst vor allem Pinot Noir. Die Côte des Blancs südlich von Épernay steuert Avize, Chouilly, Cramant, Le Mesnil-sur-Oger, Oger und Oiry bei, Hochburgen des Chardonnay auf Kreide. An der Marne liegen Ay und Tours-sur-Marne. Wer die Liste kennt, kann auf vielen Etiketten schon am Dorfnamen ablesen, welche Rebsorte wahrscheinlich den Ton angibt.

Woher kommt die Einteilung? Die Échelle des crus

Hinter den Begriffen steht eine alte Preisskala, die Échelle des crus. Jede Gemeinde bekam einen Prozentwert, und danach richtete sich, was Winzer für ihre Trauben erhielten. Ein Grand-Cru-Dorf stand bei 100 Prozent und bekam den vollen Richtpreis. Premier-Cru-Gemeinden lagen zwischen 90 und 99 Prozent, alle übrigen darunter, bis hinab zu 80 Prozent.

Die alte Preisskala der Gemeinden wurde Ende der 2000er-Jahre aufgegeben, seitdem verhandeln Winzer und Häuser frei. Die Begriffe Grand Cru und Premier Cru blieben und stehen heute im Lastenheft der Appellation, dem Cahier des charges. Sie beschreiben also eine historische Bewertung ganzer Dörfer, keine regelmäßige Prüfung der Weine.

Premier Cru: 42 Gemeinden mit eigener Handschrift

Die Premier-Cru-Liste ist länger und bunter. Zu ihr gehören Hautvillers mit seiner berühmten Abtei, Cumières, Dizy und Mareuil-sur-Ay an der Marne, Vertus am Südende der Côte des Blancs sowie Rilly-la-Montagne, Ludes oder Chigny-lès-Roses an der Montagne de Reims. Selbst Bezannes am Stadtrand von Reims zählt dazu. In älteren Büchern und auf manchen Webseiten stehen 43 oder 44 Gemeinden. Das aktuelle Lastenheft führt 42.

Ein Detail überrascht viele: Trauben aus Grand-Cru-Gemeinden dürfen auch als Premier Cru laufen. Ein Premier-Cru-Champagner kann also Grand-Cru-Trauben enthalten, umgekehrt geht es nicht. Steht Grand Cru auf dem Etikett, stammt jede Traube aus einer der 17 Gemeinden. Steht gar keine Angabe da, kann der Wein trotzdem Grand-Cru-Anteile haben, denn viele Häuser mischen sie mit Trauben aus anderen Dörfern.

Ist Grand-Cru-Champagner immer besser?

Die Einstufung ist ein guter Hinweis, aber kein Versprechen. Eine Gemeinde umfasst bessere und schwächere Parzellen, nach Süden geneigte Hänge ebenso wie flache Stücke im Tal. Der Ruf eines Dorfes ist ein Durchschnitt. Hinzu kommt, dass Arbeit im Weinberg und im Keller oft mehr ausmacht als die Adresse. Ein sorgfältig gemachter Champagner aus einem nicht eingestuften Dorf kann einen nachlässigen Grand Cru übertreffen.

Ein gutes Beispiel ist die Côte des Bar in der Aube. Sie hat keine einzige eingestufte Gemeinde, liefert aber Pinot Noir, den viele Häuser schätzen. Auch Spitzencuvées verzichten mitunter auf die Angabe, weil sie bewusst Trauben aus mehreren Klassen mischen. Wer Champagner nach Herkunft kaufen will, liest deshalb die Gemeinde mit, nicht bloß die zwei Wörter davor.

Hilfreich ist ein Blick auf die Landkarte. Die Champagne umfasst rund 34.200 Hektar, verteilt auf 319 Gemeinden, die das Lastenheft Crus nennt. Nur 59 davon tragen eine Einstufung, alle anderen heißen einfach Champagne. Das bedeutet keinen Makel. Es zeigt nur, dass die Preisskala vor über einem Jahrhundert entstanden ist und die Dörfer nach dem damaligen Ruf ihrer Trauben ordnete, nicht nach heutigen Messungen von Boden, Klima oder Weinqualität.

Kurz unterschieden

Grand Cru (Champagne)
Eine von 17 Gemeinden im Département Marne; alle Trauben eines Grand-Cru-Champagners müssen aus diesen Dörfern stammen.
Premier Cru (Champagne)
Eine von 42 Gemeinden; Trauben aus Grand-Cru-Dörfern dürfen in einem Premier-Cru-Champagner mitverarbeitet werden.
Grand Cru (Burgund)
Ein einzelner, genau abgegrenzter Weinberg, nicht ein ganzes Dorf; der Lagename steht im Mittelpunkt des Etiketts.
Große Lage (VDP)
Einstufung einzelner Lagen durch den deutschen Winzerverband VDP, eine Verbandsregel und kein EU-Herkunftsbegriff.

Dazu im Lexikon

Champagner im LexikonWeinetikett lesenChardonnaySpätburgunder (Pinot Noir)
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