
Gründer aus Deutschland
Krug, Bollinger, Heidsieck, Mumm: Deutsche in der Champagne
Mehrere berühmte Champagnerhäuser wurden von Deutschen gegründet: Heidsieck 1785 von einem Westfalen, Mumm 1827 von Söhnen eines Kölner Weinhändlers, Bollinger 1829 von einem Mann aus Ellwangen, Krug 1843 von einem Mainzer. Die Häuser sind längst französisch, ihre Namen erinnern an diese Herkunft.
Warum gingen Deutsche in die Champagne?
Im 18. und 19. Jahrhundert war Champagner vor allem ein Exportgut. Gekauft wurde er an Höfen und in Handelsstädten in ganz Europa, in den deutschen Staaten, in Skandinavien und in Russland. Wer ihn verkaufen wollte, brauchte Sprachkenntnisse, Kontakte und Erfahrung im Fernhandel. Junge Kaufleute aus dem Rheinland und anderen deutschen Regionen brachten genau das mit. Viele kamen als Angestellte oder Handelsreisende nach Reims und Épernay und blieben.
Die Wege waren kürzer, als es heute scheint. Zwischen Rhein und Champagne lagen wenige Tagesreisen, und der Weinhandel verband Familien auf beiden Seiten. Das Wissen floss auch zurück. Georg Christian Kessler arbeitete bei Veuve Clicquot in Reims, bevor er am 1. Juli 1826 in Esslingen am Neckar die heute älteste noch bestehende deutsche Sektkellerei gründete. Die Geschichte der deutschen Kellereien erzählt die Themenreise zum Sekt in Deutschland, hier geht es um den umgekehrten Weg.
Heidsieck und Mumm: Gründer aus Westfalen und Köln
Den Anfang machte Florens-Louis Heidsieck, ein Westfale, der 1785 in Reims sein Haus gründete. Aus diesem Ursprung entstanden über Erbteilungen und Neugründungen mehrere Firmen. Heute tragen drei Marken den Namen: Piper-Heidsieck, Charles Heidsieck und Heidsieck & Co Monopole. Wer Heidsieck auf einem Etikett liest, sollte also genauer hinsehen, welches Haus gemeint ist.
1827 gründeten die Söhne des Kölner Weinhändlers P. A. Mumm in Reims das Haus, das später G. H. Mumm hieß. Die Familie blieb über Generationen deutsch, und das wurde ihr 1914 zum Verhängnis. Bei Kriegsbeginn war Georges Hermann Mumm noch deutscher Staatsbürger. Er wurde wie andere Deutsche in Reims festgenommen, das Unternehmen beschlagnahmt. 1920 kam die Firma in Reims unter den Hammer und ging an eine französische Gesellschaft. Der deutsche Sekt namens Mumm gehört einem anderen Unternehmen.
Bollinger und Deutz: Gründer aus Ellwangen und Aachen
In Aÿ, einem Weinort an der Marne bei Épernay, gründete Joseph Jacob Placid Bollinger aus Ellwangen in Württemberg am 6. Februar 1829 sein Haus, zusammen mit französischen Partnern. Bollinger ist bis heute in Familienbesitz. Das Haus stützt seinen Stil stark auf Pinot Noir, die rote Traube, die in der Champagne weiß gekeltert wird. Mehr als hundert Jahre nach der Gründung führte Lily Bollinger das Haus durch die deutsche Besatzung.
Ebenfalls in Aÿ entstand 1838 das Haus Deutz. Gegründet haben es William Deutz und Peter-Joseph-Hubert Geldermann, beide aus Aachen. Der Name Geldermann lebt in Deutschland weiter. Die Sektkellerei Geldermann in Breisach am Rhein beruft sich auf diesen Ursprung, arbeitet ausschließlich mit traditioneller Flaschengärung und gehört seit 2003 zu Rotkäppchen-Mumm. Deutz in Aÿ ist ein Champagnerhaus, Geldermann in Breisach eine Sektkellerei: gleiche Wurzel, zwei Herkünfte.
Krug: vom Mainzer Kaufmann zur Prestigemarke
Johann-Joseph Krug stammte aus Mainz und lernte das Geschäft zunächst bei einem anderen Champagnerhaus, bevor er 1843 in Reims sein eigenes gründete. Seine Idee war ein Champagner, der jedes Jahr auf demselben Niveau steht, unabhängig von der Ernte. Erreicht wird das durch die Mischung vieler Weine aus verschiedenen Lagen und Jahren. Diese Haltung prägt das Haus bis heute. Seit Januar 1999 gehört Krug zum Konzern LVMH.
Die Beispiele zeigen ein Muster. Die Gründer brachten Kapital, Handelswege und Geschäftssinn mit, Trauben und Ansehen kamen aus der Region. Ihre Häuser wurden rasch französisch, oft schon in der zweiten Generation. Für den Champagner zählt bis heute nur, dass die Trauben aus der geschützten Appellation stammen, nicht die Herkunft des Gründers. Ein deutsch klingender Name auf dem Etikett sagt deshalb nichts über deutschen Wein, er erzählt nur ein Stück Firmengeschichte.