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Woher kommt das Wort Sekt? Sherry, Shakespeare und eine Legende

Ein Wort wandert

Woher kommt das Wort Sekt? Sherry, Shakespeare und eine Legende

Das Wort Sekt kommt vom Sherry. Sect war im Deutschen der Name für spanischen Süßwein, abgeleitet vom englischen sack und letztlich vom lateinischen siccus, trocken. Erst im 19. Jahrhundert wanderte das Wort zum Schaumwein. Die Geschichte vom Schauspieler Ludwig Devrient ist eine Anekdote ohne Beleg.

Sekt und Sherry: die Herkunft des Wortes

Im England des 16. und 17. Jahrhunderts hieß ein beliebter Importwein sack. Gemeint waren Weine aus Spanien und von den Kanarischen Inseln, allen voran der Sherry aus Jerez. Der Name geht über das französische sec auf das lateinische siccus zurück, das trocken bedeutet. Als Sect oder Seck kam das Wort ins Deutsche und meinte hier ebenfalls Sherry und verwandte Weine.

Für Schaumwein sagte man in Deutschland lange Champagner, auch wenn er aus Esslingen oder vom Rhein kam, oder schlicht Schaumwein. Im Lauf des 19. Jahrhunderts verschob sich das Wort Sekt allmählich auf den schäumenden Wein. Einen Stichtag dafür gibt es nicht, denn Wörter wandern langsam. Im 20. Jahrhundert war der neue Sinn dann allgemein üblich, und für Sherry brauchte man wieder ein anderes Wort.

Ludwig Devrient und „Bring er mir Sekt, Schurke!“: die Legende

Die bekannteste Erklärung spielt in Berlin. Der Legende nach rief der Schauspieler Ludwig Devrient 1825 in der Weinstube Lutter & Wegner einen Satz aus Shakespeares Heinrich IV.: „Bring er mir Sekt, Schurke!“ Die Figur Falstaff verlangt im Stück ständig nach sack, im Deutschen übersetzt als Sekt. Der Kellner habe ihm daraufhin, so die Erzählung, sein gewohntes Getränk gebracht, und das war Champagner.

Die Szene ist hübsch, doch für sie gibt es keinen zeitgenössischen Beleg. Sie erklärt außerdem nicht, warum ein ganzes Sprachgebiet einen Ausruf aus einer Weinstube übernommen haben sollte. Näher liegt ein schleichender Wandel: Das Wort für einen edlen Importwein ging auf einen anderen edlen Wein über, der ebenfalls zu festlichen Anlässen gekauft wurde. Die Devrient-Geschichte taugt deshalb als Anekdote, als Erklärung für das Wort taugt sie nicht.

Versailler Vertrag: Warum deutscher Schaumwein nicht Champagner heißt

Festgeschrieben wurde das Wort durch einen Friedensvertrag. Bis zum Ersten Weltkrieg verkauften deutsche Kellereien ihre Schaumweine häufig als Champagner. Der Versailler Vertrag von 1919 verpflichtete Deutschland in den Artikeln 274 und 275, die Herkunftsbezeichnungen anderer Staaten für Wein und Spirituosen zu achten. Champagner und Cognac waren die bekanntesten Fälle, die dadurch für deutsche Erzeugnisse tabu wurden.

Deutsche Hersteller brauchten also neue Namen. Beim Branntwein aus Wein setzte sich Weinbrand durch, beim Schaumwein Sekt. In der Folge wurde Sekt zum verbindlichen deutschen Begriff, Sekundärquellen nennen dafür das Jahr 1925. Der Grundsatz dahinter gilt bis heute und steht inzwischen im EU-Recht. Champagner darf nur heißen, was aus der Champagne kommt und nach deren Regeln gemacht wurde.

Was Sekt heute rechtlich bedeutet

Aus dem alten Sherry-Wort ist ein Rechtsbegriff geworden. Sekt ist heute die deutschsprachige Bezeichnung für Qualitätsschaumwein, eine Kategorie des EU-Weinrechts. Qualitätsschaumwein braucht mindestens 3,5 bar Druck, Kohlensäure ausschließlich aus der Gärung und eine Mindestdauer der Herstellung. Auch in Österreich heißt Qualitätsschaumwein Sekt, dort gibt es zusätzlich eine eigene Stufenleiter für Sekt mit geschützter Herkunft.

Über die Herkunft der Trauben sagt das Wort allein nichts. Ein Sekt kann in Deutschland aus Grundweinen anderer EU-Länder entstehen. Erst Deutscher Sekt wird aus Grundweinen deutscher Herkunft gemacht, und Sekt b.A. stammt aus einem bestimmten deutschen Anbaugebiet und trägt eine amtliche Prüfnummer. Wer wissen will, woher der Wein im Glas kommt, liest deshalb nicht das Wort Sekt, sondern die Angaben daneben. Der Name erzählt Geschichte, das Etikett verrät die Herkunft.

Kurz unterschieden

Sekt
Deutsches Wort für Qualitätsschaumwein mit mindestens 3,5 bar; sagt nichts über die Herkunft der Grundweine.
Champagner
Geschützte Herkunft: nur Schaumwein aus der Champagne; seit dem Versailler Vertrag 1919 für deutsche Erzeugnisse tabu.
Sherry
Spanischer Likörwein aus Jerez; im Deutschen früher Sect genannt, daher stammt das heutige Wort Sekt.

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