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Macht Sekt schneller betrunken und Kopfschmerzen?

Kohlensäure und Kater

Macht Sekt schneller betrunken und Kopfschmerzen?

Ja, Sekt kann schneller wirken als stiller Wein: Eine kleine Studie der Universität Surrey fand 2003 nach perlendem Champagner höhere Blutalkoholwerte als nach entgastem. Dass Sekt an sich mehr Kopfschmerzen macht als andere alkoholische Getränke, ist dagegen nicht belegt.

Wirkt Sekt schneller als Wein?

Viele kennen das Gefühl, dass ein Glas Sekt beim Empfang schneller zu Kopf steigt als ein Glas Weißwein zum Essen. Forschende der Universität Surrey in England haben das gemessen. Die Arbeit von Ridout und Kollegen erschien 2003 in der Fachzeitschrift Alcohol and Alcoholism. Zwölf Freiwillige tranken an verschiedenen Tagen dieselbe Menge Champagner, einmal perlend und einmal entgast, also ohne Kohlensäure.

Fünf Minuten nach dem Trinken lag der Blutalkohol nach dem perlenden Champagner im Mittel bei 0,54 Milligramm pro Milliliter, nach dem entgasten bei 0,39. Die Kohlensäure hat den Alkohol also schneller ins Blut gebracht. Zwölf Personen sind eine sehr kleine Gruppe, die Studie ist deshalb ein Hinweis und kein endgültiger Beweis. Sie passt aber gut zu dem, was viele beim Anstoßen am eigenen Leib erleben.

Warum bringt Kohlensäure den Alkohol schneller ins Blut?

Den größten Teil des Alkohols nimmt der Körper erst im Dünndarm auf, nicht im Magen. Wie schnell er dort ankommt, hängt davon ab, wann der Magen seinen Inhalt weitergibt. Als Erklärung gilt, dass Kohlendioxid die Magenentleerung beschleunigen und die Schleimhaut stärker durchbluten kann. Ganz geklärt ist der Mechanismus nicht. Die Studie aus Surrey hat nur den Blutalkohol gemessen, nicht den Weg dorthin.

Hinzu kommen Umstände, die mit dem Getränk selbst wenig zu tun haben. Sekt wird oft auf nüchternen Magen getrunken, beim Empfang oder zum Anstoßen vor dem Essen. Ohne Essen im Magen steigt der Blutalkohol bei jedem Getränk rascher an. Kleine Gläser werden schnell nachgefüllt, und wer steht und redet, verliert leichter den Überblick über die Menge. Die Kohlensäure verstärkt diesen Effekt, sie erklärt ihn aber nicht allein.

Macht Sekt Kopfschmerzen?

Für einen besonderen Sekt-Kopfschmerz gibt es keinen Beleg. Wer am Morgen nach einer Feier mit Kopfweh aufwacht, hat vor allem Alkohol getrunken, und oft mehr als geplant. Alkohol entzieht dem Körper Wasser, stört den Schlaf, und beim Abbau entsteht Acetaldehyd, ein giftiges Zwischenprodukt, das mit Katerbeschwerden in Verbindung gebracht wird. Das gilt für Sekt genauso wie für Bier, Wein oder Spirituosen.

Häufig fällt der Verdacht auf billigen Sekt, auf Zucker oder auf Schwefel. Ein gesicherter Nachweis, dass einer dieser Stoffe im Schaumwein Kopfschmerzen auslöst, fehlt bislang. Auch die Annahme, süße Sekte seien besonders schlimm, ist verbreitet, aber nicht durch Studien gedeckt. Belastbarer ist der Befund aus Surrey: Schaumwein bringt dieselbe Menge Alkohol etwas schneller ins Blut, und wer ihn auf leeren Magen trinkt, spürt das früher. Ein Teil des schlechten Rufs geht vermutlich auf dieses Tempo zurück.

Was hilft gegen schnelle Wirkung und Kater?

Die einzig sichere Methode gegen einen Kater ist, weniger oder gar keinen Alkohol zu trinken. Wer Sekt trinkt, merkt einen Unterschied, wenn er vorher etwas isst und zu jedem Glas Wasser trinkt. Langsames Trinken hilft, weil die Leber Alkohol nur in einem begrenzten Tempo abbaut. Mittel, die diesen Abbau beschleunigen, gibt es nicht. Weder Kaffee noch eine kalte Dusche ändern etwas am Blutalkohol.

Für alle, die noch fahren wollen, ist die schnelle Aufnahme ein wichtiger Punkt: Nach Sekt kann der Blutalkohol früher ansteigen als nach der gleichen Menge Stillwein, und schon kleine Mengen beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit. Wer empfindlich auf Sulfite oder Histamin reagiert, sollte das ärztlich abklären lassen; was über beide Stoffe im Schaumwein bekannt ist, steht im Kapitel zu Sulfiten und Histamin. Wer die Perlage ohne Alkohol genießen möchte, findet im Kapitel zum alkoholfreien Sekt eine Übersicht.

Kurz unterschieden

Schaumwein
Die Kohlensäure brachte in der Surrey-Studie den Alkohol schneller ins Blut als dieselbe Menge ohne Perlage.
Stillwein
Gleiche Alkoholmenge, aber ohne Kohlensäure; der Blutalkohol stieg in der Studie langsamer an.
Alkoholfreier Sekt
Perlt ebenfalls, enthält als entalkoholisierter Wein aber höchstens 0,5 % vol Alkohol.

Dazu im Lexikon

Alkoholfreier Sekt: wie er entstehtSchaumwein richtig servierenSekt, Champagner und Prosecco im Vergleich
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