
Venetiens Schaumweintraube
Glera: die Prosecco-Traube
Glera ist die Rebsorte, aus der Prosecco gemacht wird: Sie stellt mindestens 85 Prozent jeder Prosecco-DOC-Cuvée. Bis 2009 hieß die Traube selbst Prosecco; seitdem ist der Name nur noch die geschützte Herkunft aus Venetien und Friaul-Julisch Venetien.
Ist Prosecco eine Rebsorte?
Bis 2009 war Prosecco beides, Herkunft und Traube. Das machte den Namen angreifbar: Eine Rebsorte darf überall auf der Welt angebaut und auf dem Etikett genannt werden, eine geschützte Herkunft nicht. Italien benannte die Sorte deshalb mit einem Ministerialdekret vom 17. Juli 2009 um, wirksam seit dem 1. Januar 2010. Seither heißt die Traube in der EU Glera, und Prosecco nennen darf sich nur noch Wein aus dem abgegrenzten Gebiet.
Ganz neu war der Name nicht, Glera galt schon vorher als regionales Synonym der Sorte. Der Ortsname Prosecco wiederum gehört zu einem Dorf in der Provinz Triest, ganz im Osten des heutigen Gebiets. Wie dieser Fall den Herkunftsschutz für Schaumwein geprägt hat, erzählt die Themenreise zu Recht und Etikett. Hier geht es um die Traube selbst und darum, warum Prosecco so anders schmeckt als ein Schaumwein aus Chardonnay oder Riesling.
Wie schmeckt Glera?
Glera zählt zu den halbaromatischen Sorten. Sie duftet weniger intensiv als Muskateller, aber deutlich stärker als Chardonnay. Typisch sind Birne, grüner und gelber Apfel und weiße Blüten wie Akazie und Glyzinie, manchmal mit einem Hauch Zitrus. Die Säure ist frisch, aber selten schneidend, der Körper leicht. Das passt zu einem Schaumwein, der jung und unkompliziert sein soll. Im Glas erkennt man Glera oft schon am Duft; ein Schaumwein aus Chardonnay riecht daneben verhaltener und mehr nach Hefe.
Im Weinberg ist Glera wüchsig, dünnhäutig und spät reifend. Sie trägt viel, und genau das entscheidet über die Qualität. In der Ebene mit hohen Erträgen verliert sie an Duft und wird neutral. In den steilen Hügeln zwischen Conegliano und Valdobbiadene, wo die Erträge niedriger sind und viel Handarbeit nötig ist, bleibt sie aromatischer und feiner. Daraus erklärt sich ein guter Teil des Unterschieds zwischen einfachem Prosecco DOC und dem Superiore aus der DOCG mit ihren 43 Rive und der Lage Cartizze.
Warum wird Glera meist im Tank vergoren?
Die Aromen der Glera sind zart und flüchtig. Bei der Tankgärung, auf Italienisch Metodo Martinotti, findet die zweite Gärung in großen Drucktanks statt, und der Wein ist nach Wochen bis wenigen Monaten fertig. So bleibt die frische Frucht der Traube erhalten. Ein langes Hefelager wie beim Champagner würde sie mit Brot- und Nussnoten überdecken, ohne der Sorte viel hinzuzufügen.
Das EU-Recht kommt der Traube entgegen. Eine Sonderregel erlaubt es, Glera aus Venetien und Friaul als aromatischen Qualitätsschaumwein zu bereiten, eine Kategorie, die sonst Muskatsorten und ähnlich duftigen Trauben vorbehalten ist. Außerdem gilt für Prosecco eine Ausnahme beim Mindestalkohol der Cuvée: 8,5 statt 9 Volumenprozent. Beides passt zu einer Traube, die leichte, duftige Weine mit mäßigem Alkohol liefert. Flaschenvergorenen Prosecco gibt es ebenfalls, er bleibt aber eine Nische.
Welche Rebsorten dürfen neben Glera in den Prosecco?
Mindestens 85 Prozent einer Prosecco-DOC-Cuvée müssen Glera sein. Für den Rest sind unter anderem alte regionale Sorten wie Verdiso, Bianchetta Trevigiana, Perera und Glera lunga zugelassen, außerdem Chardonnay sowie Pinot bianco, Pinot grigio und Pinot nero, der dann weiß gekeltert wird. Die alten Sorten bringen Säure oder Duft, Chardonnay und die Pinots etwas mehr Körper. Wie viel davon im Wein steckt, steht nur selten auf dem Etikett.
Seit 2020 gibt es Prosecco DOC Rosé. Hier ist Pinot nero mit 10 bis 15 Prozent ausdrücklich gewollt und gibt die Farbe. Der Rosé muss mindestens 60 Tage im Tank gären und immer einen Jahrgang tragen. 2025 waren 60,4 Millionen der 667 Millionen verkauften Prosecco-DOC-Flaschen Rosé. Für die DOCG Conegliano Valdobbiadene gibt es diese Variante nicht; dort bleibt Glera unter sich, mit kleinen Anteilen der alten Begleitsorten.