
Drei Herkunftsstufen
Sekt, Deutscher Sekt, Sekt b.A.: Woher kommt der Grundwein?
Woher der Grundwein stammt, verrät beim Sekt erst der Zusatz: Sekt allein kann aus Wein jedes EU-Landes gemacht sein, Deutscher Sekt nur aus deutschen Grundweinen und Sekt b.A. aus einem einzigen deutschen Anbaugebiet. Wo die Kellerei sitzt, sagt über die Trauben dagegen nichts.
Sekt ohne Zusatz: Qualität ja, Herkunft offen
Viele halten Sekt für ein deutsches Herkunftswort, so wie Champagner für die Champagne steht. Rechtlich ist das falsch. Sekt ist das deutschsprachige Wort für Qualitätsschaumwein, also für eine Güteklasse mit Mindestdruck, Mindestalkohol und Mindestreife. Über die Herkunft der Trauben sagt es nichts. Eine Kellerei in Deutschland darf Grundweine aus Italien, Spanien oder Frankreich kaufen, sie hier ein zweites Mal vergären und das Ergebnis Sekt nennen.
Bei preiswerten Markensekten ist das verbreitet, denn Grundwein aus großen Anbauländern ist in gleichbleibender Menge verfügbar. Ehrlich bleibt das Etikett trotzdem, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Als Herkunft steht dann etwa „Sekt hergestellt in Deutschland“, ergänzt um einen Hinweis auf den Ursprung der Weine. Stammen sie aus mehreren Mitgliedstaaten, lautet die Formel beispielsweise „Wein aus der Europäischen Union“ oder „Verschnitt von Weinen aus verschiedenen Ländern der Europäischen Union“.
Was heißt Deutscher Sekt?
Die mittlere Stufe ist schnell erklärt und wird trotzdem oft übersehen. Deutscher Sekt wird aus Grundweinen deutscher Herkunft gemacht. Mehr verspricht der Begriff nicht. Die Weine dürfen aus verschiedenen Anbaugebieten stammen, eine Cuvée aus Rheinhessen, der Pfalz und Württemberg ist also möglich. Eine Rebsorte oder ein Jahrgang muss nicht angegeben sein, und eine amtliche Prüfungsnummer ist für diese Stufe nicht vorgeschrieben.
Eine Brücke gibt es trotzdem. Trägt ein Qualitätsschaumwein eine Rebsortenangabe, kann der Hersteller auf Antrag ebenfalls eine Prüfungsnummer erhalten. Wer also auf einem Deutschen Sekt mit Rebsorte eine Prüfnummer findet, sieht eine freiwillig geprüfte Flasche. Für Käufer zählt bei dieser Stufe vor allem eines: Die Trauben sind in Deutschland gewachsen, auch wenn kein einzelnes Gebiet genannt wird.
Sekt b.A.: ein Gebiet, eine Prüfung
Die engste Herkunftsstufe verlangt, dass alle Trauben aus einem der 13 deutschen Anbaugebiete stammen und der Name dieses Gebiets auf der Flasche steht. Dazu kommt die amtliche Qualitätsprüfung mit Labor und Verkostung, wie sie die vorige Station beschreibt. Erst auf dieser Stufe öffnen sich weitere Herkunftsangaben. Ein Sekt b.A. kann eine Gemeinde oder eine Lage nennen, er kann Winzersekt oder Crémant heißen, wenn er die zusätzlichen Regeln erfüllt.
Wichtig für den Vergleich: Keine der drei Stufen schreibt eine Methode vor. Herkunft und Herstellungsweise sind im deutschen Recht zwei getrennte Fragen. Ein Deutscher Sekt kann flaschenvergoren sein, ein Sekt b.A. aus dem Tank kommen. Erst Begriffe wie traditionelle Flaschengärung oder Winzersekt verbinden beides.
So liest du die Herkunft auf dem Sektetikett
In der Praxis hilft ein fester Blick in drei Schritten. Zuerst sucht man nach einem Anbaugebiet und den Buchstaben b.A., denn beides zusammen ist die stärkste Aussage. Fehlt das, prüft man, ob das Wort Deutscher vor dem Sekt steht. Steht nur Sekt da, verrät die Herkunftszeile im Kleingedruckten, ob die Grundweine aus Deutschland oder aus anderen EU-Ländern kommen.
Vorsicht bei deutschen Markennamen, Burgen auf dem Etikett oder dem Firmensitz in einer Weinstadt. All das beschreibt die Kellerei, nicht den Weinberg. Österreich kennt übrigens dieselbe Trennung: Ein österreichischer Sekt ohne die Angabe g.U. ist ebenfalls herkunftsoffen, erst Sekt g.U. bindet die Trauben an ein Bundesland oder eine Gemeinde. Bei Champagne, Cava oder Prosecco steckt die Herkunft dagegen schon im Namen, wie die letzte Station dieser Reise zeigt.