
Ein geschützter Name
Warum darf nur Champagner „méthode champenoise“ heißen?
„Méthode champenoise“ ist in der EU dem Champagner vorbehalten, weil der Begriff den geschützten Namen Champagne enthält. Nach einer Übergangsfrist bis zum 31. August 1994 müssen alle anderen Schaumweine dieselbe Technik anders nennen, etwa traditionelle Flaschengärung oder méthode traditionnelle.
Méthode champenoise: Warum ein Verfahren keinen Ortsnamen tragen darf
Die Technik selbst gehört niemandem. Jede Kellerei der Welt darf einen Grundwein in der Flasche ein zweites Mal vergären, ihn monatelang auf der Hefe liegen lassen und anschließend degorgieren. Geschützt ist das Wort, nicht der Handgriff. Wer sein Verfahren „champenoise“ nennt, ruft beim Käufer automatisch die Champagne auf, also eine geschützte Herkunft mit eigenen Regeln für Gebiet, Rebsorten, Pressung und Reifezeit. Genau diese Anspielung wollte der Gesetzgeber unterbinden.
Für die Champagne ist das ein alter Kampf. Schon 1843 zogen Erzeuger gemeinsam vor Gericht, um ihren Namen zu schützen. 1919 grenzte ein französisches Gesetz das Gebiet ab, 1936 folgte die AOC. Mit dem Verbot der méthode champenoise auf fremden Flaschen schloss sich eine Lücke, durch die der Name bis dahin auf Schaumweine vieler Länder gewandert war.
Was entschied der Europäische Gerichtshof 1994?
Die Regel stammt aus dem europäischen Schaumweinrecht der 1980er- und 1990er-Jahre. Eine Ratsverordnung vom 13. Juli 1992 über die Bezeichnung von Schaumwein bestätigte das Verbot, das schon eine Vorgängerregel von 1985 enthielt, samt einer Übergangsfrist bis zum 31. August 1994. Danach durften Schaumweine, die nicht Champagne heißen dürfen, die Angabe nicht mehr tragen.
Gegen die Regel klagte eine Vereinigung von Winzern von Mosel, Saar und Ruwer, die SMW Winzersekt GmbH. Sie vermarktete ihre Sekte mit Angaben wie „Flaschengärung im Champagnerverfahren“ oder „klassische Flaschengärung – méthode champenoise“. Das Verwaltungsgericht Mainz legte die Frage dem Europäischen Gerichtshof vor. Am 13. Dezember 1994 entschied der Gerichtshof in der Rechtssache C-306/93, dass das Verbot gültig ist. Seitdem ist die Frage rechtlich geklärt, und auf deutschem Sekt darf das Wort Champagnerverfahren nicht mehr auftauchen.
Welche Begriffe stehen heute statt méthode champenoise?
An die Stelle des alten Namens traten Begriffe, die das Verfahren beschreiben, ohne eine Herkunft zu beanspruchen. In der EU sind das traditionelle Flaschengärung, klassische Flaschengärung und traditionelles klassisches Verfahren, auf Französisch méthode traditionnelle oder méthode classique, auf Italienisch metodo classico. Sie alle setzen neun Monate ununterbrochen auf der Hefe im selben Betrieb und das Degorgieren voraus, wie die vorige Station zeigt.
Manche Länder schufen eigene Namen. In Südafrika heißt die Flaschengärung seit 1992 Méthode Cap Classique, eine Bezeichnung des Verbands der Erzeuger, keine Herkunft. Andere Regionen setzen auf ihre geschützte Herkunft und lassen den Methodenbegriff ganz weg, weil das Verfahren in ihren Regeln steht. Crémant wiederum ist selbst ein geschützter Begriff, der die klassische Methode verlangt, und bekommt die nächste Station.
Ist Sekt mit traditioneller Flaschengärung wie Champagner?
Die Methode ist dieselbe, das Ergebnis nicht automatisch. Champagner muss aus dem abgegrenzten Gebiet stammen und strengeren Regeln folgen als das EU-Minimum. Aus 160 kg Trauben dürfen höchstens 102 l Most gepresst werden. Der Wein muss mindestens zwölf Monate auf der Hefe liegen, bevor er degorgiert wird, und frühestens 15 Monate nach der Abfüllung zur zweiten Gärung in den Verkauf gehen, mit Jahrgang erst nach 36 Monaten.
Ein deutscher Sekt in traditioneller Flaschengärung kann diese Werte freiwillig übertreffen oder beim Minimum von neun Monaten bleiben. Dazu kommen Boden, Klima und Rebsorten, die sich von der Champagne unterscheiden. Ein Riesling-Sekt mit klassischer Methode schmeckt deshalb nach Riesling, nicht nach Champagner. Ob einer besser ist, beantwortet das Etikett nicht. Es sagt nur, nach welchen Regeln der Wein entstanden ist und woher er kommt.