
Glera und Tank
Prosecco oder Sekt: Was ist der Unterschied?
Prosecco ist eine geschützte Herkunft aus Nordostitalien, gemacht zu mindestens 85 Prozent aus der Rebsorte Glera und meist im Drucktank vergoren. Sekt ist eine Qualitätsstufe ohne festen Ort und ohne Pflichtsorte. Dazu kommt: Prosecco gibt es auch als Perlwein und still, Sekt immer nur als Schaumwein.
Ist Prosecco eine Rebsorte oder eine Herkunft?
Bis 2009 hieß die Hauptrebsorte selbst Prosecco. Das war ein Problem, denn einen Sortennamen darf jeder Winzer weltweit verwenden, eine Herkunft lässt sich dagegen schützen. Italien benannte die Sorte deshalb in Glera um und erklärte Prosecco zur geschützten Ursprungsbezeichnung. Das Ministerialdekret stammt vom 17. Juli 2009 und gilt seit dem 1. Januar 2010.
Das Gebiet der Prosecco DOC, der kontrollierten Ursprungsbezeichnung, ist groß. Es umfasst neun Provinzen: Belluno, Padua, Treviso, Venedig und Vicenza in Venetien sowie Gorizia, Pordenone, Triest und Udine in Friaul. Das namensgebende Dorf Prosecco liegt bei Triest, weit östlich der berühmten Hügel. Mindestens 85 Prozent Glera müssen in den Wein, der Rest darf aus anderen zugelassenen Sorten stammen.
Darüber stehen zwei DOCG-Gebiete, die höchste italienische Herkunftsstufe: Conegliano Valdobbiadene mit 15 Gemeinden in der Provinz Treviso und Asolo. Ihre Weine heißen Prosecco Superiore. Die Hügellandschaft zwischen Conegliano und Valdobbiadene ist seit 2019 UNESCO-Welterbe, als Spitzenlage gilt Superiore di Cartizze mit etwa 107 Hektar.
Tankgärung: Wie wird Prosecco gemacht?
Glera ist eine duftige Sorte mit eher milder Säure und Aromen von Birne, Apfel und weißen Blüten. Genau diese Frucht soll ins Glas, deshalb gärt Prosecco meist im Drucktank. Das Verfahren ließ Federico Martinotti 1895 patentieren, Eugène Charmat verbesserte es 1907. In Italien heißt es Metodo Martinotti, anderswo Charmat-Methode. Die zweite Gärung im großen Edelstahltank dauert wenige Wochen bis Monate, danach wird filtriert und abgefüllt.
Der kurze Hefekontakt ist Absicht. Lange Reifung auf der Hefe bringt Brot- und Briochenoten, die das zarte Obstaroma überdecken würden. Ausnahmen gibt es trotzdem: Einige Erzeuger lassen den Wein monatelang im Tank, im Fachjargon Charmat lungo. Die DOCG kennt außerdem die Variante Sui Lieviti, die in der Flasche gärt und ihre Hefe behält, weshalb sie trüb ins Glas fließt.
Prosecco Spumante, Frizzante, Rosé: Welche Arten gibt es?
Prosecco DOC gibt es in drei Formen. Spumante ist Schaumwein mit mindestens 3,5 bar und trägt einen Sektkorken mit Drahtkorb. Frizzante ist Perlwein mit 1 bis 2,5 bar und kommt oft mit Bindfadenverschluss, dem spago. Tranquillo ist still. Ein Sekt ist dagegen immer Qualitätsschaumwein, einen perlenden Sekt unter 3 bar kann es nicht geben.
Seit 2020 gibt es Prosecco DOC Rosé. Er besteht aus Glera mit 10 bis 15 Prozent Pinot nero, gärt mindestens 60 Tage im Tank und trägt immer einen Jahrgang. Die DOCG-Gebiete machen keinen Rosé. 2025 wurden 667 Millionen Flaschen Prosecco DOC verkauft, davon 60,4 Millionen Rosé, mehr als 82 Prozent gingen ins Ausland.
Ist Prosecco süßer als Sekt?
Viele Prosecco tragen die Angabe Extra Dry. Das klingt herb, bedeutet aber 12 bis 17 Gramm Zucker je Liter und ist damit süßer als Brut mit unter 12 Gramm. Noch süßer ist Dry mit 17 bis 32 Gramm. Zusammen mit der milden Säure und der Birnenfrucht der Glera wirkt Prosecco deshalb oft weicher als ein Riesling-Sekt, dessen kräftige Säure den Zucker ausbalanciert.
Auch beim Alkohol gibt es eine Sonderregel. Für die Cuvée eines Qualitätsschaumweins mit geschützter Herkunft verlangt das EU-Recht in der Regel mindestens 9 Prozent Gesamtalkohol, für Prosecco genügen 8,5 Prozent. Leicht, fruchtig und frisch ist also das erklärte Ziel. Spannung, Säure und Hefetöne sind eher die Sache flaschenvergorener Sekte. Beide sind Schaumwein, sie verfolgen nur verschiedene Ideen.