
Herkunft und Recht
Sekt oder Champagner: Was ist der Unterschied?
Champagner ist eine geschützte Herkunft: Er stammt aus der französischen Champagne, gärt immer in der Flasche und reift mindestens 15 Monate. Sekt ist dagegen eine Qualitätsstufe, die über Herkunft und Methode zunächst nichts verrät. Erst Zusätze wie Sekt b.A. oder Winzersekt legen beides fest.
Champagner: geschützte Herkunft statt Qualitätsstufe
Der wichtigste Unterschied steht im Gesetz, nicht im Glas. Champagne ist eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung (AOC), die nur Schaumwein aus einem abgegrenzten Gebiet im Nordosten Frankreichs tragen darf. Die Grenzen zog ein Gesetz vom 6. Mai 1919, die AOC folgte 1936. Gegen Nachahmer zogen die Häuser schon 1843 gemeinsam vor Gericht.
Innerhalb dieser Grenzen gelten strenge Regeln. Gelesen wird von Hand, die zweite Gärung findet ausschließlich in der Glasflasche statt, und in den gängigen Größen von 37,5 bis 150 Zentilitern wird der Wein in der Flasche verkauft, in der er gegoren hat. Rund 34.200 Hektar Reben gehören zur Appellation. Champagner ist weiß oder rosé, nie rot.
Sekt: Qualitätsstufe mit offener Herkunft
Beim Sekt beginnt die Verwechslung oft schon beim Namen. Viele halten ihn für eine deutsche Herkunftsbezeichnung, doch das Wort steht nur für Qualitätsschaumwein. Über das Land der Trauben sagt es nichts. Eine Kellerei in Deutschland kann Sekt aus Grundweinen anderer EU-Länder herstellen. Dann verrät erst eine Herkunftsangabe auf dem Etikett, woher die Weine stammen.
Genauer wird es mit Zusätzen. Deutscher Sekt wird aus Grundweinen deutscher Herkunft gemacht. Sekt b.A. (bestimmter Anbaugebiete) kommt aus einem der 13 deutschen Weinbaugebiete, wird amtlich geprüft und trägt eine Prüfnummer. Winzersekt geht noch weiter: Trauben und Weinbereitung stammen aus dem eigenen Betrieb, Rebsorte und Jahrgang stehen auf dem Etikett, vorgeschrieben ist die traditionelle Flaschengärung.
Hefelager und Methode: Was passiert im Keller anders?
Champagner ohne Jahrgang darf frühestens 15 Monate nach dem Tirage verkauft werden, der Abfüllung zur zweiten Gärung. Mindestens 12 Monate davon liegt er ununterbrochen auf der Hefe. Jahrgangschampagner braucht 36 Monate. In dieser Zeit zersetzen sich die abgestorbenen Hefezellen, ein Vorgang namens Autolyse, und geben Aromen von Brioche, Brot und Nuss an den Wein ab.
Sekt darf jedes zugelassene Verfahren nutzen. Große Markensekte entstehen meist in Tankgärung: Die zweite Gärung läuft in einem Drucktank, danach wird filtriert und unter Gegendruck abgefüllt. Für Qualitätsschaumwein genügen dann sechs Monate Herstellung. Viele Winzer- und Spitzensekte arbeiten dagegen wie die Champagne mit traditioneller Flaschengärung. Der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) verlangt für seine Sekte mindestens 15 Monate auf der Hefe, mit Jahrgang 24.
Rebsorten und Stil: Schmeckt man den Unterschied?
In der Champagne dominieren drei Sorten: Chardonnay, Pinot noir und Meunier. Zugelassen sind acht Hauptsorten, dazu die pilzwiderstandsfähige Anpassungssorte Voltis. Sekt kennt keine Pflichtsorten. In Deutschland wird viel Riesling versektet, daneben Weißburgunder, Spätburgunder, Chardonnay oder Muskateller. Riesling bringt eine markante Säure und eine Frucht mit, die man im Glas sofort erkennt.
Blind lässt sich vieles nicht trennen. Ein Riesling-Sekt aus traditioneller Flaschengärung mit langem Hefelager kann einem Champagner näher stehen als ein frischer Tanksekt. Der Name allein sagt deshalb wenig über die Qualität. Aussagekräftiger sind Herkunft, Verfahren und Rebsorte auf dem Etikett, im besten Fall auch das Datum des Degorgierens, also des Entfernens der Hefe.
Woher kommt das Wort Sekt?
Ursprünglich meinte „Sect“ im Deutschen den Sherry. Das Wort geht auf das englische sack zurück und letztlich auf das lateinische siccus, trocken. Im Lauf des 19. Jahrhunderts wanderte es zum Schaumwein. Der Legende nach rief der Schauspieler Ludwig Devrient in der Berliner Weinstube Lutter & Wegner nach Sekt und meinte Champagner. Einen Beleg aus seiner Zeit gibt es dafür nicht.
Sicher ist der Einfluss der Politik. Nach dem Ersten Weltkrieg untersagte der Versailler Vertrag deutschen Kellereien den Namen Champagner, und Sekt setzte sich als Bezeichnung durch. Dass gerade deutsche Auswanderer große Champagnerhäuser gründeten, etwa Krug aus Mainz oder Bollinger aus Ellwangen, gehört zu den Ironien dieser Geschichte.