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Deutscher Crémant und Sekt im Bocksbeutel: Sonderwege des deutschen Sekts

Zwei Sonderwege

Deutscher Crémant und Sekt im Bocksbeutel: Sonderwege des deutschen Sekts

Ja, auch deutscher Sekt darf Crémant heißen: als Sekt b.A. mit Handlese, höchstens 100 Litern Most aus 150 kg Trauben, traditioneller Flaschengärung und weniger als 50 g/l Zucker. Im Bocksbeutel, der flachen Flasche Frankens, darf Sekt b.A. aus Franken und Teilen Badens abgefüllt werden.

Gibt es deutschen Crémant?

Viele halten Crémant für eine französische Spezialität, und tatsächlich stammen die meisten Flaschen aus Frankreich. Das EU-Recht öffnet den Begriff aber jedem Qualitätsschaumwein mit geschützter Ursprungsbezeichnung, der die Bedingungen erfüllt. Deutschland hat das in Paragraf 34a Absatz 1 der Weinverordnung ausdrücklich übernommen. Ein deutscher Crémant ist also immer ein Sekt b.A., und auf dem Etikett steht das Wort Crémant zusammen mit dem Namen des Anbaugebiets.

Die Bedingungen sind streng. Die Trauben werden von Hand gelesen, aus 150 Kilogramm dürfen höchstens 100 Liter Most gepresst werden, der Gehalt an schwefliger Säure bleibt bei höchstens 150 Milligramm je Liter, und der Zucker liegt unter 50 Gramm je Liter. Dazu kommt die traditionelle Flaschengärung mit mindestens neun Monaten auf der Hefe. Erlaubt sind nur Weiß und Rosé. Die Rechtsdetails erklärt die Reise zu Recht und Etikett. Hier geht es um die Frage, warum man deutschen Crémant so selten sieht.

Crémant oder Winzersekt: Was ist der Unterschied?

Auf den ersten Blick ähneln sich beide Stufen: Sekt b.A., traditionelle Flaschengärung, neun Monate auf der Hefe. Die Unterschiede liegen im Detail. Winzersekt verlangt Trauben und Weinbereitung aus dem eigenen Betrieb sowie Rebsorte und Jahrgang auf dem Etikett, schreibt aber keine Handlese vor. Crémant verlangt Handlese, eine begrenzte Pressausbeute und weniger als 50 Gramm Zucker, lässt aber zugekaufte Trauben und Cuvées ohne Jahrgang zu.

Eine Sektkellerei kann also einen Crémant machen, aber keinen Winzersekt. Ein Weingut kann beides, und manche Flaschen erfüllen sogar beide Regeln. Dass auf deutschen Etiketten trotzdem meist Winzersekt oder traditionelle Flaschengärung steht, hat mit der Bekanntheit zu tun: Den Begriff Winzersekt kennen deutsche Käufer, Crémant verbinden viele eher mit dem Elsass oder der Loire. Laut Fachlexika wird die Bezeichnung in Deutschland nur selten verwendet.

Deutscher Crémant und Crémant d’Alsace im Vergleich

Gerade im Südwesten liegt der Vergleich nahe. Ein Crémant d’Alsace und ein badischer Crémant wachsen nur wenige Kilometer voneinander entfernt, oft aus denselben Burgundersorten. Beide erfüllen dieselbe EU-Grundregel. Der Unterschied liegt in der Herkunft und in den Regeln der jeweiligen Appellation, die strenger sein können als das EU-Mindestmaß.

Am Markt ist das Gewicht ungleich verteilt. Die französischen Crémants verkauften 2024 zusammen 114,5 Millionen Flaschen. Deutscher Crémant ist dagegen eine kleine Nische, gemacht von einzelnen Weingütern und Kellereien, die die französische Idee bewusst aufgreifen. Wer im Regal Crémant und dahinter den Namen eines deutschen Anbaugebiets liest, hält einen flaschenvergorenen, von Hand gelesenen Sekt b.A. in der Hand.

Sekt im Bocksbeutel: Was ist erlaubt?

Der Bocksbeutel ist die flache, bauchige Flasche, die man vor allem mit Frankenwein verbindet. Woher der Name kommt, ist umstritten. Die Form ist im EU-Recht geschützt und Weinen mit geschützter Ursprungsbezeichnung aus Franken sowie aus bestimmten Teilen Badens vorbehalten, etwa dem Taubertal, das historisch zu Franken gehörte.

Für Sekt b.A. gilt eine doppelte Regel. Paragraf 33a der Weinverordnung schreibt eine Schaumwein-Glasflasche mit pilzförmigem Stopfen, Haltevorrichtung und Folie vor und lässt ausdrücklich auch die Bocksbeutelform zu. Die Einzelheiten regeln Bayern und Baden-Württemberg für ihre Gebiete selbst. Die Flasche muss dabei dem Druck des Sekts standhalten, eine gewöhnliche Weinflasche täte das nicht.

Ein Bocksbeutel-Sekt zeigt also auf einen Blick seine Herkunft aus Franken oder dem badischen Frankenland. Typische Grundweine sind dort Silvaner und Müller-Thurgau. Wie beim Crémant bleibt auch der Bocksbeutel-Sekt eine Spezialität für Kenner, verglichen mit der Masse an Sekt in der klassischen Flasche.

Kurz unterschieden

Deutscher Crémant
Sekt b.A. mit Gebietsname, Handlese, max. 100 l aus 150 kg, traditionelle Flaschengärung, unter 50 g/l Zucker; Zukauf erlaubt.
Winzersekt
Eigene Trauben und Weinbereitung, Rebsorte und Jahrgang Pflicht, keine Handlese-Pflicht und keine Pressgrenze.
Crémant d’Alsace
Französische Appellation im Elsass; gleiche EU-Grundregel, eigene AOC-Vorschriften.
Bocksbeutel-Sekt
Sekt b.A. in der geschützten flachen Flasche, nur aus Franken und Teilen Badens wie dem Taubertal.

Dazu im Lexikon

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