
Marken und Konzerne
Die bekanntesten Sektmarken und wem sie gehören
Die meisten bekannten Sektmarken gehören drei Gruppen: Rotkäppchen-Mumm (Rotkäppchen, Mumm, MM Extra, Geldermann), Henkell Freixenet (Henkell, Söhnlein Brillant, Fürst von Metternich, Freixenet, Mionetto) und Schloss Wachenheim (Faber, Schloss Wachenheim, Feist). Kessler ist unabhängig, Deinhard gehört Peter Mertes.
Rotkäppchen-Mumm: Wem gehören Rotkäppchen und Mumm Sekt?
Der größte Sekthersteller Deutschlands kommt aus Sachsen-Anhalt. Die Kellerei in Freyburg an der Unstrut kaufte am 16. Januar 2002 vom kanadischen Getränkekonzern Seagram die deutschen Marken Mumm, Jules Mumm und MM Extra. Seitdem heißt das Unternehmen Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien. Ein Jahr später kam Geldermann aus Breisach dazu. Die Mehrheit liegt bei der Familie Eckes-Chantré.
Laut Branchenpresse hielt die Gruppe 2024 rund 38 Prozent des deutschen Sektmarkts. Damit stammt etwa jede dritte in Deutschland verkaufte Sektflasche aus diesem Konzern, vom einfachen Rotkäppchen Trocken bis zum flaschenvergorenen Geldermann. Ein häufiges Missverständnis betrifft den Namen Mumm. Der Mumm Sekt aus Deutschland und der Champagner von G. H. Mumm aus Reims tragen denselben Familiennamen, gehören aber verschiedenen Unternehmen. Der Champagner stammt aus der Champagne, der Sekt wird in Deutschland gemacht.
Henkell Freixenet: Henkell, Söhnlein, Freixenet und Mionetto
Die zweite große Gruppe sitzt in Wiesbaden-Biebrich. Henkell gehört seit 1958 zum Familienunternehmen Oetker und seit November 2021 zur Oetker Collection, einem der beiden Teile, in die die Unternehmensgruppe aufgeteilt wurde. 1987 übernahm Henkell die Nachbarkellerei Söhnlein mit den Marken Söhnlein Brillant und Fürst von Metternich.
Danach wurde Henkell international. 1992 kam der ungarische Marktführer Törley dazu, 1999 die Mehrheit an Bohemia Sekt in Tschechien, im Mai 2008 der Proseccohersteller Mionetto aus Valdobbiadene. 2018 erwarb Henkell 50,67 Prozent am spanischen Cavahaus Freixenet, im März 2026 auch den Rest. Seitdem tritt die Gruppe als Henkell Freixenet auf und vereint deutschen Sekt, Cava, Prosecco und osteuropäische Schaumweine unter einem Dach. Der Unterschied zwischen diesen Marken liegt also nicht im Eigentümer, sondern in Herkunft und Methode: Cava entsteht immer in traditioneller Flaschengärung, Prosecco meist im Drucktank, Henkell Trocken als Markensekt aus Grundweinen, deren Herkunft das Etikett nennt. Die alte Koblenzer Marke Deinhard gab Henkell dagegen ab: Seit dem 1. September 2020 gehört sie der Kellerei Peter Mertes.
Schloss Wachenheim: Faber, Feist und viele Regionalmarken
Die dritte Gruppe ist eine Aktiengesellschaft mit Ursprung in der Pfalz. Nach der Fusion mit Faber aus Trier 1996 wuchs Schloss Wachenheim mit Tochterfirmen in Frankreich, Polen, Rumänien, Tschechien und der Slowakei. In Deutschland gehören laut Geschäftsbericht unter anderem Faber, Schloss Wachenheim, Nymphenburg Sekt, Schweriner Burggarten, Feist, Schloss Böchingen und Schwansee zum Sortiment, dazu der alkoholfreie Light Live und der Kinderpartysprudel Robby Bubble.
Viele dieser Namen kennt man aus dem Supermarktregal und nicht aus der Werbung. Das ist das Geschäftsmodell: Preisbewusste Marken, die vor allem über den Lebensmittelhandel verkauft werden, oft im Tankgärverfahren hergestellt. Die Presse beschreibt Schloss Wachenheim zudem als Sektlieferanten von Aldi. Welcher Hersteller hinter einer Handelsmarke steckt, verrät das Etikett nur indirekt über die Herstellerangabe oder eine Codenummer.
Unabhängige Sektkellereien und Weingüter
Neben den drei Konzernen bleibt Platz für eigenständige Häuser. Kessler in Esslingen gehört nach dem Neustart 2005 einem Kreis privater Gesellschafter und füllt jährlich rund zwei Millionen Flaschen. Dazu kommen mittelgroße Kellereien und eine wachsende Zahl von Weingütern, die eigenen Sekt anbieten.
Für Käufer lohnt ein Blick auf die Rückseite der Flasche. Bei Markensekt steht dort meist die Kellerei als Hersteller, und die Herkunftsangabe zeigt, ob der Grundwein aus Deutschland oder aus anderen EU-Ländern kommt. Bei Sekt b.A. und Winzersekt ist die Herkunft enger gefasst, die folgenden Stationen erklären, wie. Ein bekannter Markenname sagt also etwas über den Hausstil und den Konzern, aber wenig über die Trauben.