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Flöte, Tulpe oder Weinglas: Welches Glas für Sekt?

Tulpe vor Flöte

Flöte, Tulpe oder Weinglas: Welches Glas für Sekt?

Für Sekt und Champagner eignet sich ein Tulpenglas oder ein schlankes Weißweinglas am besten. Der bauchige Kelch gibt dem Duft Raum, die leicht verengte Öffnung hält ihn zusammen. Die schmale Flöte zeigt die Perlage schön, aber wenig Aroma, die flache Schale verliert am schnellsten Kohlensäure.

Welches Glas für Sekt? Was die Form im Glas bewirkt

Ein Schaumweinglas hat zwei Aufgaben, die sich widersprechen. Es soll die Kohlensäure möglichst lange im Wein halten und zugleich den Duft zur Nase bringen. Beides hängt an der Oberfläche. Je größer die Fläche zwischen Wein und Luft, desto schneller entweicht das Gas. Je mehr Raum über dem Wein bleibt, desto mehr Duft kann sich sammeln, bevor er verfliegt.

Die Bläschen helfen dabei. Wenn sie an der Oberfläche platzen, schleudern sie winzige Tröpfchen nach oben, die Aromastoffe mitnehmen. Das Team um Gérard Liger-Belair an der Universität Reims hat diesen Vorgang über Jahre gefilmt und gemessen. Ein Glas mit etwas Bauch und leicht zulaufendem Rand fängt diese Duftwolke ein. Ein Glas mit weiter Öffnung lässt sie in den Raum entweichen, ein sehr enges lässt ihr kaum Platz.

Sektflöte: schöne Perlage, wenig Duft

Die hohe, schmale Flöte war lange das Standardglas für Sekt und Champagner. Ihr Vorteil liegt im Auge. Die Bläschen steigen in einer langen Säule auf, und die kleine Oberfläche hält die Kohlensäure gut im Wein. Für einen jungen, frischen Schaumwein aus der Tankgärung, der von Frucht und Spritzigkeit lebt, ist das kein schlechtes Glas.

Für Schaumweine mit langem Hefelager ist sie zu eng. Ein Champagner mit Jahrgang, eine Cava Gran Reserva oder ein reifer Winzersekt zeigen ihre Noten von Brioche, Nuss und Röstung erst, wenn sie Luft und Raum bekommen. In der Flöte wird der Duft gegen den schmalen Rand gedrückt, und die Nase steckt fast im Schaum. Viele Sommeliers und Champagnerhäuser greifen deshalb inzwischen zur Tulpe oder zu einem Weißweinglas.

Die Tulpe ist der Kompromiss aus beiden Welten. Unten ist sie schmal genug, damit die Perlage in einer Säule aufsteigt. In der Mitte wird sie bauchig, oben schließt sie sich wieder ein wenig. Der Wein hat so genug Raum, um zu duften, und die Aromen bleiben über dem Glas stehen, statt zur Seite wegzuziehen. Wer nur eine Sorte Gläser im Schrank hat, nimmt für Schaumwein ein mittelgroßes Weißweinglas. Es ist der Tulpe ähnlicher, als die meisten denken.

Sektschale: Warum die Coupe die Kohlensäure verliert

Die flache Sektschale, französisch Coupe, ist das Glas der Filme und Champagnertürme. Die Erzählung, ihre Form sei der Brust von Marie Antoinette nachgebildet, ist eine Legende ohne Beleg. Fachlich ist die Schale das ungünstigste Glas. Der Wein liegt flach und breit, seine Oberfläche ist groß, und über ihm bleibt kaum Raum, in dem sich der Duft sammeln könnte.

Liger-Belair und Kollegen haben Flöte und Coupe 2012 in der Fachzeitschrift PLoS ONE verglichen. Mit Infrarotkameras machten sie das aufsteigende Kohlendioxid über dem Glas sichtbar. In der Coupe ging die gelöste Kohlensäure schneller verloren als in der Flöte, über der Flöte stand dagegen mehr Gas, das in der Nase prickeln kann. Wer die Schale aus nostalgischen Gründen mag, schenkt darin am besten einen jungen, fruchtigen Schaumwein und füllt öfter nach.

Moussierpunkt, Spülmittel, Glasstärke: Details mit Wirkung

Bläschen entstehen nicht auf glattem Glas. Sie brauchen Keime, an denen sich das Gas sammeln kann, meist winzige Fasern von Tüchern oder Staub. Manche Schaumweingläser tragen deshalb am Boden einen Moussierpunkt, eine mit Laser geraute Stelle. Dort bildet sich eine gleichmäßige Kette aus Bläschen, die in der Mitte des Glases aufsteigt und die Perlage über lange Zeit in Gang hält.

Spülmittelreste wirken in die andere Richtung. Ein Fettfilm oder Tensid auf der Glaswand lässt den Schaum zusammenfallen und dämpft die Perlage. Gläser für Schaumwein spült man darum am besten mit heißem Wasser nach und poliert sie mit einem fusselfreien Tuch. Dünnes, klares Glas hat einen weiteren Vorteil. Der Wein erwärmt sich darin langsamer als in dickwandigen Bechern, solange man das Glas am Stiel hält.

Kurz unterschieden

Prosecco DOC
Jung und fruchtig aus dem Tank. Flöte oder kleine Tulpe genügen, die Frucht braucht wenig Raum.
Jahrgangschampagner
Mindestens 36 Monate gereift. Ein Weißweinglas öffnet Röstnoten und Nuss, die eine Flöte einsperrt.
Moscato d’Asti
Nur leicht perlend und duftig nach Muskattraube. Ein kleines Weißweinglas zeigt ihn besser als die Flöte.

Dazu im Lexikon

Weingläser: welche Form wofürSchaumwein servieren: das Wichtigste kurzFlaschengärung und Hefelager
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