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  7. Kapitel 6 von 8
Warum kommt Zucker in den Sekt?

Säure und Balance

Warum kommt Zucker in den Sekt?

Zucker kommt aus zwei Gründen in den Sekt: Vor der zweiten Gärung dient er der Hefe als Nahrung, sie macht daraus Kohlensäure und Alkohol. Nach dem Hefelager gleicht eine kleine Dosage die hohe Säure aus. Nur dieser zweite Zucker bleibt im Wein und bestimmt die Süßestufe.

Fülldosage: Zucker für die Bläschen

Die Bläschen im Sekt entstehen durch eine zweite Gärung. Damit sie startet, bekommt der fertige Grundwein eine Fülldosage, französisch liqueur de tirage. Das ist eine Lösung aus Zucker und Hefe, oft mit einer Rüttelhilfe, die das spätere Absetzen der Hefe erleichtert. Als Richtwert gelten rund 24 Gramm Zucker je Liter. Daraus entstehen in der verschlossenen Flasche etwa 6 bar Druck.

Die Hefe verarbeitet diesen Zucker fast vollständig. Übrig bleiben Kohlensäure, die sich unter Druck im Wein löst, und etwas mehr Alkohol. Laut EU-Recht darf die Fülldosage den Gesamtalkohol der Cuvée um höchstens 1,5 Volumenprozent erhöhen. Mit Süße hat dieser Schritt nichts zu tun. Ein Brut Nature hat ihn genauso durchlaufen wie ein Demi-Sec.

Ein Beispiel macht die Rollen deutlich. Ein Sekt Brut mit 8 Gramm Zucker hat vor der zweiten Gärung rund 24 Gramm Zucker je Liter bekommen. Davon ist praktisch nichts übrig. Die 8 Gramm im fertigen Wein stammen fast ganz aus der Versanddosage und dem kleinen natürlichen Rest. Die Hefe hat also ein Vielfaches dessen verarbeitet, was am Ende im Glas zu schmecken ist.

Die Rüttelhilfe hat einen praktischen Grund. Nach der Gärung muss die abgestorbene Hefe als kompakter Pfropfen in den Flaschenhals rutschen. Klebt sie an der Glaswand, gelingt das Rütteln schlecht. Mit der Süße hat dieser Zusatz nichts zu tun, er sorgt für eine saubere, klare Flasche.

Versanddosage: Ausgleich für die Säure

Trauben für Schaumwein werden früher gelesen als für Stillwein, nach Säure statt nach Mostgewicht. Der Grund liegt im Stil. Ein Schaumwein soll frisch und lebendig wirken, und die zweite Gärung braucht einen schlanken Grundwein mit nicht zu viel Alkohol. Das Ergebnis ist ein Wein mit hoher Säure, der für sich allein oft spitz und hart schmeckt.

Die Kohlensäure verstärkt diesen Eindruck, weil sie die Zunge zusätzlich reizt. Ein paar Gramm Zucker runden das ab, ohne dass man den Wein als süß wahrnimmt. Zucker und Säure verhalten sich dabei wie Gegengewichte. Das kennt jeder von Zitronenlimonade, die ohne Zucker kaum genießbar wäre. Beim Schaumwein sind die Mengen viel kleiner, das Prinzip ist dasselbe.

Wie viel Ausgleich ein Wein braucht, hängt von Rebsorte und Herkunft ab. Riesling bringt oft sehr kräftige Säure mit, Chardonnay aus warmen Lagen deutlich weniger. Ein Riesling-Sekt verträgt deshalb häufig ein paar Gramm mehr Dosage, ohne süß zu wirken. Dieselbe Menge kann einen säurearmen Wein dagegen schwer und breit machen.

Ist Dosage Süßung? Was das EU-Recht sagt

Rechtlich gelten Füll- und Versanddosage weder als Anreicherung noch als Süßung. So steht es in Anhang II der Verordnung (EU) 2019/934. Anreicherung meint das Erhöhen des möglichen Alkohols, Süßung das nachträgliche Süßen eines fertigen Weins. Für Schaumwein ist beides eigens geregelt. Die Cuvée selbst, also der Grundwein vor der zweiten Gärung, darf nicht gesüßt werden.

Die Unterscheidung klingt spitzfindig, hat aber Gewicht. Sie macht deutlich, dass die Dosage ein Teil der Herstellung ist und keine Korrektur eines misslungenen Weins. Auch die Kohlensäure ist geregelt. In Schaumwein und Qualitätsschaumwein darf sie nur aus der Gärung stammen. Wer Kohlensäure zusetzt, muss das Erzeugnis als Schaumwein mit zugesetzter Kohlensäure kennzeichnen.

Früher süßer, heute trockener: der Wandel der Dosage

Im 19. Jahrhundert wurde Schaumwein meist deutlich süßer getrunken als heute. Die Namen der Süßestufen erinnern noch daran, wie Station 2 zeigt. Seitdem hat sich der Geschmack Schritt für Schritt zur Trockenheit verschoben. Brut ist heute die gängige Stufe bei Champagner, und Extra Brut sowie Brut Nature finden in den letzten Jahren mehr Anhänger.

Auch das Klima verändert die Dosage. In warmen Jahren reifen die Trauben weiter, die Säure sinkt, und der Grundwein bringt mehr eigene Fülle mit. Viele Erzeuger brauchen dann weniger Zucker für dieselbe Balance. Weniger Dosage ist trotzdem kein Qualitätsbeweis an sich. Ein ausgewogener Brut mit 8 Gramm kann harmonischer wirken als ein karger Brut Nature aus unreifen Trauben.

Kurz unterschieden

Fülldosage
Startet die zweite Gärung, wird fast vollständig vergoren und hebt den Alkohol um höchstens 1,5 % vol.
Versanddosage
Bleibt als Zucker im Wein und gleicht die Säure aus. Rechtlich keine Süßung, sondern Teil der Herstellung.
Mit zugesetzter CO₂
Schaumwein, dessen Kohlensäure ganz oder teilweise zugesetzt ist. Das muss auf dem Etikett stehen.

Dazu im Lexikon

Was die Dosage istSäure im Wein verstehenSo läuft die zweite Gärung
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