
Blanco und Reposado
Reifung
Casa Agave, die Brennerei in Pomasqui bei Quito, füllt ihren Miske heute in zwei Varianten ab. Der eine ist ein klarer Blanco, auf dem Etikett auch „Silver“ genannt, direkt nach dem Brennen. Der andere ist ein Reposado, der kurze Zeit in Holzfässern zieht. Es ist dieselbe Zweiteilung, die man von Tequila kennt, nur ohne dessen gesetzlich festgelegte Fristen.
Bei Tequila muss Reposado mindestens zwei Monate und Añejo mindestens ein Jahr im Fass liegen. Die Herkunftsbezeichnung für Miske schreibt solche Zeiten bislang nicht vor. Was auf dem Etikett als „Reposado“ steht, ist deshalb eher Praxis der Brennerei als feste Regel, ein Versprechen, kein Gesetz.
Auch Chawar, die Brennerei in Yaruqui nahe dem Flughafen von Quito, führt einen klaren Chawar Blanco im Sortiment. Dazu kommt eine nach dem Vulkan benannte Sonderabfüllung, Chawar Cotopaxi. Beide wurden nach Angaben der Brennerei beim San Francisco World Spirits Competition 2026 mit Silber ausgezeichnet. Das zeigt, dass der junge Markt international bereits wahrgenommen wird.
Dass es noch keine feste Alterungsordnung gibt, ist kein Makel, sondern Spiegel eines jungen Marktes. Miske wird erst seit rund fünf Jahrzehnten überhaupt gebrannt, seit weniger als zwei Jahrzehnten verkauft. Die Kategorien, die andere Agavenbrände über ein Jahrhundert lang ausgehandelt haben, entstehen hier gerade erst, Flasche für Flasche.
Was das für Trinkende bedeutet: Kategorien wie Reposado oder ein möglicher Añejo-Stil werden erst noch geschrieben. Geschrieben werden sie von genau jenen Familienbetrieben, die den Tzawar heute schon von Hand ernten. So entsteht Schritt für Schritt eine eigene Tradition.