
Pur und langsam
Verkosten
Sotol trinkt man am besten pur und langsam. Serviert wird er meist in einem kleinen Glas, einem Caballito, wie er auch bei Tequila üblich ist. Manchmal kommt er auch in einer Jícara, einer getrockneten Kürbisschale. Es ist ein ruhiges Trinkritual, kein schneller Schluck. Eis oder Süßes haben darin nichts zu suchen.
Typisch für die Region ist ein trockener, mineralischer Ton. Dazu kommen grasige und leicht erdige Noten, oft mit einem Hauch trockener Kräuter. Seltener zeigt sich auch Rauch, falls die Herzen in der Erdgrube gegart wurden. Süße Frucht wie bei manchem Tequila sucht man dagegen meist vergeblich.
Hacienda de Chihuahua steht für die klare, fast schon polierte Seite des Sotols. Spürbar ist das vor allem am Eichenton in den gereiften Abfüllungen. Sotol Por Siempre schmeckt dagegen wilder, mit einer krautigen Note nahe getrocknetem Oregano und einem Hauch Zitrusfrucht. So beschreibt es die Brennerei selbst.
Clande zeigt noch eine dritte Facette. Die Genossenschaft bündelt Rezepte verschiedener Familien aus ganz Chihuahua. Deshalb unterscheidet sich jede Abfüllung spürbar von der nächsten, je nachdem, wessen Erdgrube und wessen Hefen dahinterstehen. Das macht jede Verkostung zu einer kleinen Bundesstaat-Reise.
Wer die drei nebeneinander probiert, merkt schnell, wie viel Spielraum die Herkunftsbezeichnung Sotol lässt. Gleiche Pflanze, gleiches Gebiet, aber sehr unterschiedliche Handschriften, das erlaubt Tequila mit seinen strengeren Vorgaben nicht.
In El Paso, direkt hinter der Grenze zu Texas, gehört Sotol inzwischen zur Cocktailkarte vieler Bars. In Chihuahua selbst bleibt er aber vor allem das, was er immer war. Ein Getränk, das man langsam trinkt und dabei über die Wüste spricht, nicht über die Flasche.