
Kräuter und Zimt
Verkosten
Mezcal aus der Papalote-Agave schmeckt weniger rauchig, als viele erwarten. Die Nase wirkt intensiv, fast blumig. Der Gaumen bleibt sanfter: Kenner beschreiben Noten von frischen Kräutern, gekochter Agave und einem Hauch Zimt.
Ein gutes Beispiel liefert Sanzekan Tinemi, das Kollektiv aus Chilapa de Álvarez, Zitlala, Ahuacuotzingo und Tixtla. Sein Mezcal reift in Glasballons statt in Fässern. In Mochitlán zeigt die Frauenkooperative Tepolzito, die schon seit 1992 mit eigenem Alambique arbeitet, wie ein Betrieb aus wenigen Händen entsteht.
Ebenfalls in Mochitlán betreibt eine Gruppe von 39 Frauen die „Taberna del Rincón de la Vieja“, einen Gemeinschaftspalenque. Er verkauft seinen Mezcal direkt vor Ort. Alle drei Beispiele zeigen, wie stark Guerreros Mezcal an Familien und Kollektiven hängt, nicht an großen Marken.
Getrunken wird traditionell aus der Jícara, einer kleinen Schale aus getrockneter Flaschenkürbis-Schale. Auch der Caballito, ein schmales Glas, ist verbreitet. Wer feiner probieren will, nutzt eine Copita, ein bauchiges kleines Glas, das die Aromen bündelt, bevor sie in die Nase steigen.
Ein kurzer Schluck reicht meist, um die ganze Bandbreite zu erfassen. Da ist der Rauch aus dem Erdofen, dazu die Kräuter der Sierra. Und da ist die lange Reife der wilden Agave, die Guerreros Mezcal unverwechselbar macht.
Serviert wird Mezcal in Guerrero meist bei Raumtemperatur, nie eisgekühlt, damit die feinen Kräuternoten nicht verloren gehen. Wer den Mezcal einige Minuten im Glas stehen lässt, bevor er probiert, bemerkt oft noch mehr davon.