
Fast immer Blanco
Reifung
Raicilla trinkt man in dieser Region fast immer jung. Die weit überwiegende Menge verlässt die Brennerei als Blanco: klar, ungefärbt, ohne jeden Kontakt zu Holz. Direkt aus dem Kühler geht sie in die Flasche, manchmal noch am selben Tag.
Reposado gibt es auch hier, meist in kleinen Mengen. Betriebe rund um Mascota reifen ihn in gebrauchten Holzfässern, die vorher schon Whisky, Bourbon oder auch Tequila enthielten. Die kurze Lagerung gibt dem Destillat eine leicht gelbliche Farbe. Sie rundet die schärferen Kanten des jungen Brands ab, ohne den Agavengeschmack zu überdecken.
Añejo oder gar Extra Añejo bleiben in Sierra und Küste die Ausnahme. Die meisten Betriebe sind zu klein, um Fässer über Jahre zu binden. Die Nachfrage nach jungem, unverfälschtem Raicilla ist ohnehin groß, gerade unter jenen, die das ursprüngliche Aroma der Bergagave oder der Küstenagave suchen. Marken wie La Venenosa setzen deshalb weiter vor allem auf Blanco. Wer einen gereiften Raicilla sucht, findet ihn eher in Fachgeschäften in Guadalajara oder Puerto Vallarta als im Dorfladen der Sierra.
Auf dem Etikett muss stehen, aus welcher Gemeinde und mit welcher Agavenart der Raicilla stammt, dazu die Kategorie: Blanco, Reposado oder Añejo. Anders als beim Tequila gibt es hier keine Mixto-Option. Raicilla ist immer ein Destillat aus hundert Prozent Agave, ganz gleich, wie lange sie im Fass lag. Wer „artesanal“ auf dem Etikett liest, weiß: offenes Feuer, Kupfer- oder Tonbrennblase, keine Abkürzung.