
Tief, warm, schnell
Höhe & Klima
Die Stadt Tequila liegt auf rund 1.200 Metern über dem Meer, an den unteren Hängen des Volcán de Tequila. Das ist deutlich tiefer als die Hochebenen im Osten des Bundesstaats. Diese Lage gibt der Region ihren Namen: Valle, das Tal, im Gegensatz zu Los Altos, den Hochebenen. Nach Nordwesten hin öffnet sich das Tal zur Schlucht des Río Grande de Santiago. Wer von Guadalajara aus anreist, merkt den Unterschied schon auf der Fahrt. Die Luft wird spürbar wärmer, sobald die Straße ins Tal hinabführt.
Das Klima ist wärmer und trockener als in den Hochebenen. Die Durchschnittstemperaturen liegen zwischen etwa 22 und 26 Grad. Regen fällt vor allem im Sommer, wenn kurze, heftige Güsse auf lange trockene Wochen folgen. Frost kennt das Tal kaum. Dafür brennt die Sonne über weite Teile des Jahres auf die Felder rund um Amatitán und El Arenal.
Die Wärme treibt die Agave schneller zur Reife. Schnelles Wachstum bedeutet weniger Zeit, in der sich Zucker und Aromastoffe langsam aufbauen können. Das Ergebnis ist eine Agave mit einem grüneren, krautigeren Charakter. Ihre Verwandten in den kühleren Hochebenen dürfen Jahre länger auf dem Feld stehen, bevor sie geerntet werden. Genau das macht den Unterschied zwischen Tal und Hochebene in jedem Schluck spürbar.
Wer später einen Tequila aus diesem Tal probiert, schmeckt genau das: Erde, Pfeffer, frisch geschnittenes Gras. Süße tritt eher in den Hintergrund, verglichen mit den weicheren, kochobstartigen Noten mancher Hochland-Abfüllungen. Klima und Boden arbeiten hier zusammen, lange bevor ein Brennmeister überhaupt eingreift.