Destilado de Agave: der freiwillige Verzicht

Freiwilliger Verzicht

Destilado de Agave: der freiwillige Verzicht

Nicht jeder Agavenbrenner will Tequila oder Mezcal heißen, selbst wenn er es dürfte. „Destilado de Agave“ ist der Auffangname für alles, was außerhalb der geschützten Namen liegt. Oft wird er aus freien Stücken gewählt.

Ein Name für den Rest

Wer in Mexiko Agave brennt, aber außerhalb der fünf geschützten Gebiete liegt, hat ein Problem mit dem Namen. Dasselbe gilt, wenn er eine dort nicht zugelassene Agavenart verwendet. Gemeint sind die Gebiete von Tequila, Mezcal, Raicilla, Bacanora und Sotol. In beiden Fällen darf er keinen dieser fünf Namen tragen.

Für all das hat sich Destilado de Agave als Sammelbegriff durchgesetzt. Es gibt dafür keine eigene Ursprungsbezeichnung. Es gibt keinen eigenen Regulierungsrat. Es gibt kein festgelegtes Verfahren. Genau diese Freiheit ist der Punkt: Ein Hersteller legt sein Verfahren selbst fest, statt es einer Norm wie NOM-070 unterzuordnen.

Warum manche den Namen freiwillig wählen

Nicht jeder Brenner ohne DO-Namen wäre dazu gezwungen. Manche entscheiden sich bewusst dagegen. Ein Grund ist die Wildagave. Wer eine seltene, langsam wachsende Art fernab der zugelassenen Sorten verwendet, passt oft gar nicht in die strenge Mezcal-Norm, obwohl das Verfahren fast identisch ist.

Ein zweiter Grund sind alte Familienverfahren. Manche entsprechen keiner bestehenden Norm, etwa eine bestimmte Gärung oder ein Brennkessel, den keine NOM vorsieht. Ein dritter Grund ist schlicht der Preis. Mitgliedschaft in einem Regulierungsrat und vorgeschriebene Prüfungen kosten Geld. Kleine Betriebe stecken dieses Geld lieber in die Flasche selbst.

Kein Schutz, aber auch keine Fessel

Der Preis für diese Freiheit ist fehlender Rechtsschutz. Destilado de Agave ist kein geschützter Name. Kein Betrieb kann ihn exklusiv für sich beanspruchen, anders als bei Tequila oder Mezcal. Jeder darf den Begriff verwenden. Die einzige Grenze: Er darf keinen der fünf geschützten Namen fälschlich vorgeben.

Für Fans von Agavenbränden lohnt sich der Blick auf diese Flaschen trotzdem. Manche der spannendsten neuen Wildagaven-Brände Mexikos tragen absichtlich keinen der großen Namen. In Cocktailbars werden solche Flaschen gern pur oder in ganz einfachen Drinks vorgestellt. Der Rohstoff im Glas soll dabei im Vordergrund stehen.

Wo der Name Destilado de Agave herhalten muss

Wer die fünf geschützten Gebiete auf einer Karte einzeichnet, sieht schnell, wo Destilado de Agave zwangsläufig zum einzigen Namen wird. Bundesstaaten wie Chiapas, Veracruz oder Quintana Roo gehören weder zum Gebiet von Tequila noch zu dem von Mezcal, Raicilla, Bacanora oder Sotol. Jeder Agavenbrand aus diesen Regionen muss deshalb automatisch als Destilado de Agave verkauft werden, unabhängig vom Verfahren dahinter.

International gilt eine ähnliche Logik. Nur Tequila und Mezcal genießen in der Europäischen Union Schutz durch das Abkommen zwischen der EU und Mexiko von 1997. Der Begriff Agave Spirit selbst ist dagegen keine geschützte Bezeichnung. Jeder Hersteller weltweit darf ihn verwenden, solange er nicht fälschlich Tequila oder Mezcal draufschreibt.

Innerhalb dieser offenen Kategorie ist in den letzten Jahren eine kleine, aber sichtbare Craft-Bewegung entstanden. Sie konzentriert sich oft auf einzelne Wildagaven, die in keiner bestehenden Norm auftauchen, und auf Verfahren, die eher an alte Familienrezepte erinnern als an industrielle Vorgaben. Für diese Produzenten ist der offene Name bewusst gewählte Freiheit, kein Nachteil.

Außerhalb Mexikos wächst Agave heute auch in Regionen, die ursprünglich nichts mit ihr zu tun hatten, etwa in Teilen Australiens, Südafrikas oder Kaliforniens, wo sie oft als robuste Garten- oder Plantagenpflanze eingeführt wurde. Einzelne Kleinbrennereien dort experimentieren inzwischen mit eigenem Agave Spirit. Rechtlich hat das mit der mexikanischen Familie dieser Reise nichts zu tun, botanisch aber alles.

Wie man diese Flaschen erkennt

Auf dem Etikett steht oft nur Destilado de Agave, manchmal ergänzt um den Namen der verwendeten Agavenart. Ein Herkunftsort kann dabeistehen, muss es aber nicht. Diese Offenheit macht die Kategorie unübersichtlich, aber auch spannend.

Wer neugierig ist, findet hier Agavenbrände, die keiner der bekannten Kategorien folgen wollten oder konnten. Das ist kein Makel. Es ist oft genau der Grund, warum diese Flaschen unter Kennern so gefragt sind.

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