
Nebel statt Wüste
Höhe & Klima
Die drei kalifornischen Anbaugebiete liegen klimatisch weit auseinander. Das Sacramento Valley um Yolo County liegt auf wenigen Dutzend Metern über dem Meer, flach und oft von Nebel bedeckt, den man hier „Tule Fog“ nennt. An der Central Coast, in Schluchten wie Glen Annie Canyon bei Goleta oder rund um Santa Cruz, hält der Pazifik die Sommer kühl. Südkalifornien, etwa bei Murrieta, liegt weiter im Landesinneren und deutlich trockener.
Überall gilt dasselbe Grundmuster: nasse, milde Winter, trockene Sommer fast ohne Regen von Mai bis Oktober. Genau dieses mediterrane Muster machte Kalifornien für Agave überhaupt interessant, als jahrelange Dürre den hohen Wasserbedarf von Wein und Mandeln infrage stellte. Agave braucht kaum Bewässerung, sobald sie angewachsen ist.
Was in Mexiko kaum ein Thema ist, wird in Kalifornien zum Risiko: Frost. Im Sacramento Valley fallen die Temperaturen in klaren Winternächten gelegentlich unter null, für die frostempfindliche Blaue Agave eine ernste Gefahr. An der milderen Küste und im wärmeren Süden ist das Risiko kleiner, dafür fehlt dort oft die sommerliche Hitze, die die Agave in Jalisco bekommt.
Weniger Hitze bedeutet für die Piña, das Herz der Agave, weniger Zeit zum Zuckeraufbau während der Reifephase. Brenner in Kalifornien beschreiben ihre Rohware deshalb oft als grüner und krautiger im Ton als mexikanische Agave, mit weniger von der gerösteten Süße, die heiße Böden erzeugen. Das kühlere Klima schreibt sich später im Glas fort.
Drei Klimazonen, eine Pflanze: Was in Yolo County der Nebel bremst, treibt bei Murrieta die Hitze schneller voran.