
Blanco ohne Gesetz
Reifung
Tequila kennt gesetzlich festgelegte Reifestufen. Blanco reift gar nicht, Reposado mindestens zwei Monate, Añejo mindestens ein Jahr. Für die US-Kategorie „Agave Spirits“ gibt es keine solche Vorschrift. Blanco, Reposado oder Añejo sind hier nur Wörter. Eine Brennerei schreibt sie freiwillig aufs Etikett, ohne dass ein Gesetz eine Mindestzeit dahinter verlangt. Das Wort „Reifung“ bedeutet in Kalifornien deshalb weniger Garantie und mehr Beschreibung.
Venus Spirits aus Santa Cruz nutzt genau diese Freiheit. Neben dem unreifen „El Ladrón Blanco“ gibt es den „El Ladrón Reposada“, im Holzfass gereift. Der Name folgt dem spanischen Klang der Tequila-Welt. Er verpflichtet die Brennerei aber zu keiner bestimmten Fasszeit, wie es ein Consejo Regulador vorschreiben würde.
Welches Fass zum Einsatz kommt, entscheidet ebenfalls jede Brennerei selbst. In der US-amerikanischen Craft-Szene sind gebrauchte Bourbon-Fässer aus amerikanischer Weißeiche verbreitet. Sie sind günstig verfügbar und geben dem Agavenbrand schnell Vanille- und Karamellnoten. Solche Zusatzstoffe, wie sie Mexiko beim Abocamiento erlaubt, kommen dabei nicht zum Einsatz.
Was auf dem Etikett stehen muss, regelt trotzdem Bundesrecht: Herkunft, Alkoholgehalt in Volumenprozent und die Bezeichnung „Agave Spirits“ oder eine gleichwertige Angabe. „Tequila“ oder „Mezcal“ darf dort unter keinen Umständen stehen, auch nicht in Klammern oder als Vergleich. Das gilt unabhängig davon, wie lange und in welchem Fass der Brand gereift ist. Auch die Fassgröße bleibt anders als in Mexiko unreguliert, wo Añejo und Extra Añejo ein Limit von 600 Litern kennen.
So entsteht eine Reifung nach Gefühl statt nach Vorschrift. Die Namen erinnern an Mexiko, tragen aber keine seiner Regeln.