Verkosten in der Region Kalifornien

Vergleichen statt Ritual

Verkosten

Ein kalifornischer Agave Spirit überrascht beim ersten Schluck oft alle, die Tequila erwarten. Häufig beschrieben werden grüne, krautige und leicht vegetabile Noten. Die geröstete Süße, die heißere mexikanische Böden erzeugen, fehlt meist. Dafür kommen mineralische Töne der jeweiligen Böden dazu, ob Yolo-Lehm oder Riverside-Sand.

Ventura Spirits stellt mit „Tecolote“ aus Glen Annie Canyon und „Yolo“ aus den Feldern von Craig Reynolds zwei Blanco-Abfüllungen nebeneinander. Sie zeigen, wie unterschiedlich derselbe Bundesstaat schmecken kann. Venus Spirits aus Santa Cruz füllt seinen „El Ladrón“ gleich in drei Varianten ab: Blanco, Reposada und die reine Yolo-Ernte.

Shelter Distilling in Mammoth Lakes destilliert Agave aus Yolo County und aus den Agave-Concerto-Estates in Murrieta zu zwei eigenen Abfüllungen. St. George Spirits in Alameda brannte schon 2015 und 2019 kleine Testchargen. Sie kamen als „Agua Azul“ in die Flasche, bevor die Bewegung überhaupt einen Namen hatte. Beide Brennereien liegen weit auseinander, in den Bergen der Sierra Nevada und an der Bucht von San Francisco.

Ein eigenes Trinkgefäß hat sich für kalifornischen Agave Spirit noch nicht herausgebildet, weder Copita noch Jícara oder Caballito. Verkostet wird meist in modernen Tasting Rooms der Brennereien selbst. Dort stehen schlichte Nosing-Gläser, oft im direkten Vergleich mehrerer Jahrgänge oder Herkünfte. Ein regionales Ritual wie in Mexiko fehlt bislang komplett.

Genau dieser Vergleich, Feld gegen Feld und Boden gegen Boden, ist bislang das Markenzeichen der jungen Szene. Eine einheitliche Hausstil-Linie, wie sie große Tequila-Marken pflegen, gibt es noch nicht. Noch ist offen, ob sich das mit wachsender Erfahrung ändert.

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