
Sandstein & Schlucht
Böden
Westlich von Cafayate schneidet der Río de las Conchas siebzig Kilometer durch rotes Gestein — die Quebrada de las Conchas, auch Quebrada de Cafayate genannt. Wind und Wasser haben aus dem weichen Sandstein bizarre Formen geschliffen. Sie tragen Namen wie Garganta del Diablo, El Anfiteatro oder La Yesera — letzteres benannt nach dem Gips, der dort früher abgebaut wurde. Unter dem Meer entstand dieser Stein vor sechzig bis neunzig Millionen Jahren. Die Schlucht selbst ist geologisch jung: Erst in den letzten zwei Millionen Jahren haben Erdbewegungen und Erosion sie in ihre heutige Form gebracht.
Genau dieses Gestein liegt auch unter den Weinbergen. Direkt an der Oberfläche findet sich sandiger Lehm, hell und arm an Humus. Darunter folgt eine Schicht aus Sand und Kies, angeschwemmt von den Bächen aus den Anden. Erst tiefer unten liegt der feste rote Sandstein, aus dem auch die Felsen der Schlucht bestehen, stellenweise durchzogen von weißen Gipsadern.
Für die Rebe bedeutet das vor allem eines. Wasser läuft schnell durch, und Nährstoffe gibt es kaum. Die Wurzel muss tief gehen, um überhaupt etwas zu finden. Kleine, dickschalige Beeren sind die Folge — und genau diese Beeren geben dem Malbec aus Cafayate seine tiefe Farbe.
Nicht jeder Weinberg im Tal gleicht dem nächsten. Auf der Finca Alto Los Cuises etwa liegt unter fünfzig Zentimetern sandigem Lehm plötzlich Schiefer mit viel Kalk, während wenige Kilometer weiter, auf einem alten Schwemmfächer, Granit und Kies dagegen in mehreren Bändern übereinanderliegen. Wer von dem Boden in Cafayate spricht, vereinfacht also kräftig. Ein Wort passt hier selten: einheitlich.
Was der Boden nicht kann, ist Mineralien in den Wein schicken, egal wie oft man das über den roten Sandstein hört. Was er wirklich tut, ist Wasser zu halten oder eben nicht, Wärme zu speichern oder abzugeben, und die Wurzel in bestimmte Tiefen zu zwingen. Die rote Farbe der Quebrada steckt am Ende in den Fotos der Touristen, nicht im Glas.
Helle, sandige Deckschicht mit wenig Humus — in der Trockenheit von Cafayate verrottet kaum organisches Material.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, doch nach wenigen regenlosen Wochen ist diese Schicht bereits staubtrocken.