
Kalkstein & Feuerstein
Böden
Grab im Valle de Pedernal ein Loch, und schon nach wenigen Spatenstichen klemmt der erste helle Kiesel zwischen den Zähnen des Werkzeugs. Das ist Pedernal selbst, spanisch für Feuerstein. Die Region trägt ihren Namen zu Recht: Kalkgestein und Feuersteinknollen liegen hier so dicht, dass man kaum zwanzig Zentimeter graben kann, ohne auf Stein zu stoßen.
Dieser Kalk ist uralt. Er entstand vor rund 485 Millionen Jahren am Grund eines Meeres, das längst verschwunden ist, und wurde seither von der Anden-Auffaltung nach oben gedrückt. Solche geologisch marinen Kalkböden sind in der argentinischen Weinwirtschaft eine echte Ausnahme. Die meisten Anbaugebiete des Landes liegen stattdessen auf jüngerem, angeschwemmtem Material aus den Bergen.
Der Effekt im Weinberg ist doppelt. Zum einen speichert der Kalk Wasser besser als reiner Sand und gibt es langsam wieder ab, entscheidend in einer Region mit kaum hundert Millimetern Regen im Jahr. Zum anderen zwingt das harte Gestein die Wurzel dazu, sich durch Risse und Spalten zu drängen, statt bequem in die Breite zu wachsen. Genau dieser Widerstand liefert kleinere Beeren mit dichterer Schale.
Ganz anders sieht es unten im Valle de Tulum aus, wo die meisten Reben der Provinz stehen. Dort hat der Río San Juan über Jahrtausende Sand, Schluff und Geröll abgelagert, lockeres Material fast ohne Kalk. Sand erschwert es der Reblaus, sich auszubreiten, weshalb dort noch heute wurzelechte, nie gepfropfte Anlagen stehen. Der Schädling wurde inzwischen aber auch in San Juan vereinzelt nachgewiesen, etwa in einem Betrieb im Departamento Caucete.
Zwischen beiden Böden liegt ein Unterschied, den man im Glas erkennt, ohne die Herkunft zu kennen. Tulum-Weine schmecken satter und offener, weil die Rebe im weichen Sand kaum Widerstand findet. Pedernal-Weine wirken straffer, mit mehr Säure und einem feinkörnigen Tannin, das an nassen Kalkstaub erinnert.
Dünne Auflage aus feinem Sand und kantigem Kalkschutt, kaum von Pflanzenresten dunkel gefärbt — die Trockenheit lässt hier fast keinen Humus entstehen.
Die Wurzel: Nur die Feinwurzeln bleiben oben. Sie holen, was die Tropfbewässerung gerade bringt, und vertrocknen als Erste, wenn sie nachlässt.