
An einem Syrah
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Halt ein Glas Syrah aus San Juan gegen ein weißes Blatt Papier. Am Rand bleibt kaum Licht durch, die Farbe reicht von dunklem Granat bis fast Schwarzviolett, dichter als bei fast jedem anderen argentinischen Rotwein. Das liegt an der Sonne: San Juan zählt zu den lichtreichsten Weinregionen der Welt, und mehr Licht bedeutet mehr Farbstoff in der Schale.
Rieche zweimal, einmal im ruhigen Glas und einmal nach dem Schwenken. Zuerst kommt schwarze Frucht. Brombeere und reife Pflaume, dazu die berühmte schwarze Pfeffernote, die kaum ein Syrah aus San Juan vermissen lässt. Nach dem Schwenken folgt oft etwas Rauchiges oder Lederiges, vor allem wenn der Wein Zeit im Holzfass hatte.
Aus höher gelegenen Lagen wie dem Valle de Pedernal kommt noch etwas anderes dazu. Ein grüner, kräuteriger Ton nach Thymian oder Lavendel, den die kühleren Nächte in der Beere bewahren. Weine aus dem tieferen Tulum-Tal riechen dagegen runder und süßer, mit weniger dieser Kräuterspitze.
Im Mund achte auf das Zusammenspiel von Wärme und Säure. Sanjuaninischer Syrah hat oft vierzehn oder mehr Volumenprozent Alkohol, spürbar als leichtes Brennen im hinteren Gaumen, und eine gute Flasche fängt das mit ausreichend Säure und Frucht auf, statt einfach nur stark zu schmecken. Das Tannin fühlt sich griffig an, aber nicht kantig, reif genug, um im Mund weich abzulaufen.
Am Ende zählt die Länge. Ein einfacher Verschnitt aus dem Tulum-Tal klingt nach wenigen Sekunden ab. Ein sorgfältig gemachter Pedernal-Syrah trägt seinen Pfeffer noch lange nach dem Schlucken weiter. Genau dieser Unterschied trennt den Alltagswein von der Flasche, für die man extra fährt.