
Terra Rossa & Kalk
Böden
Grab in einem Weinberg von Coonawarra ein Loch. Du triffst schnell auf feinen roten Ton, so rot wie gebrannter Ziegel. Das ist Terra Rossa, wörtlich roter Boden, benannt von Siedlern, die er an ihre alte Heimat erinnerte. Er bedeckt hier einen schmalen Streifen von etwa fünfzehn Kilometern Länge und nur zwei Kilometern Breite, kaum breiter als eine mittelgroße Stadt.
Entstanden ist dieser Boden nicht an Ort und Stelle, sondern über Jahrtausende aus der Luft. Wind trug feinen Staub aus trockeneren Perioden der letzten hundertzwanzigtausend Jahre heran. Eisenoxid färbte ihn rostrot, und Regen wusch ihn langsam in die Risse des darunterliegenden Kalksteins. Kalzium aus demselben Gestein hält den Ton locker, sodass Wasser gut abfließt, statt die Wurzeln zu ersticken.
Unter der roten Schicht, im Schnitt nach etwa fünfzig Zentimetern, beginnt der Kalkstein selbst, ein poröses Gestein aus versteinertem Meeresboden, das schon vor über fünfzehn Millionen Jahren am Grund eines flachen Ozeans entstand. Reben treiben ihre Wurzeln durch die Risse dieses Gambier-Kalksteins bis zu einer flachen Grundwasserschicht. Sie führt das ganze Jahr über Wasser. Dieses Grundwasser macht Bewässerung in vielen Jahren fast überflüssig. Die Rebe holt sich, was sie braucht, aus der Tiefe statt von oben.
Diese Kombination aus straffer Wasserversorgung von unten und schneller Drainage von oben hält die Reben unter leichtem Stress, ohne sie austrocknen zu lassen. Kleine, dickschalige Beeren sind die Folge. In der Schale steckt der größte Teil von Farbe, Tannin und Aroma. Deshalb schmecken Weine von Terra Rossa oft dichter als Weine vom sandigeren Umland, obwohl im Keller mit denselben Trauben gearbeitet wird.
Feiner roter Ton, reich an Eisenoxid und Kalzium, über Jahrtausende aus Flugstaub entstanden. Locker genug, dass Wasser rasch durchsickert.
Die Wurzel: Feinwurzeln sitzen hier dicht, doch der Boden hält kaum Wasser über den Sommer.