
Bordeauxglas für Tannin
Gläser
Ein Cabernet Sauvignon aus Coonawarra braucht Platz im Glas, mehr als die meisten anderen Rotweine. Sein Tannin, der trockene, pelzige Griff im Mund, ist in jungen Jahren oft streng. Ein enges Glas presst genau diesen Griff nach vorn, statt ihn zu mildern. Ein großes, bauchiges Bordeauxglas dagegen gibt dem Wein Raum, Sauerstoff aufzunehmen, bevor er die Zunge erreicht.
Diese große Oberfläche verändert tatsächlich, was man riecht. Frisch eingeschenkt liegt über einem Coonawarra-Cabernet oft ein kühler Hauch von Minze oder Eukalyptus, dazu dunkle Frucht wie Cassis und Brombeere, doch ein kleines Glas hält diesen Duft eng zusammen und lässt ihn scharf wirken. Im großen Glas darf sich die Minze mit der Frucht mischen, statt sie zu überdecken.
Bei einem Wein wie dem John Riddoch lohnt sich zusätzlich das Dekantieren. Er ist der seltene Spitzen-Cabernet des Weinguts Wynns, der nur in außergewöhnlichen Jahren aus weniger als einem Prozent der besten Trauben entsteht. Eine Stunde an der Luft in einer Karaffe öffnet die Frucht, bevor der Wein überhaupt ins Glas kommt. Bei einfacheren Coonawarra-Rotweinen reicht kräftiges Schwenken im Glas.
Wer stattdessen zu einem kleinen, engen Glas greift, verschenkt genau das, wofür Coonawarra berühmt ist: die Spannung zwischen strenger Tannin-Struktur und kühler, fast pfefferminzartiger Frische. Ein großes Glas macht aus dieser Spannung ein Gleichgewicht.
Auch die Temperatur zählt mit. Zu kalt serviert wirkt der Wein hart und verschlossen, zu warm verliert er seine kühle Frische. Knapp unter Raumtemperatur, um die achtzehn Grad, zeigt ein Coonawarra-Cabernet beides zugleich: Kraft und Kühle.