
Kalkwasser & Eiche
Herstellung
Bevor ein Coonawarra-Rotwein überhaupt in den Tank kommt, hat der Kalkstein unter dem Weinberg längst seine Arbeit getan, denn das Grundwasser in der Kalksteinschicht unter der Terra Rossa versorgt die Reben oft das ganze Jahr über mit Feuchtigkeit. Ein Winzer muss deshalb kaum künstlich bewässern. Wo Wasser in vielen anderen australischen Weinbaugebieten knapp verteilt werden muss, ist das ein seltener Vorteil.
Im Keller bleibt die Maische, also Traubenschalen und Saft zusammen, bei Cabernet Sauvignon oft länger stehen als anderswo. Manchmal dauert das drei bis vier Wochen. Diese lange Zeit zieht Farbe und Tannin aus den kleinen, dickschaligen Beeren, die der karge Boden hervorbringt. Zu kurze Standzeiten würden hier viel von dem verschenken, was die Rebe im Weinberg mühsam aufgebaut hat.
Danach reift der Wein im Holzfass, traditionell in amerikanischer Eiche mit ihrem Duft nach Kokos und Vanille. In den letzten Jahrzehnten greifen mehr Weingüter zu französischer Eiche. Sie schmeckt feiner und überdeckt die kühle, minzige Seite des Cabernet nicht. Manche Betriebe mischen beide Fasstypen im selben Jahrgang.
Eine Besonderheit reicht bis in die Anfänge zurück: der Verschnitt von Cabernet Sauvignon und Shiraz im selben Wein, früher schlicht Claret genannt. Die kräftige, würzige Shiraz füllt Lücken, die der strengere Cabernet offen lässt. Umgekehrt gleicht der Cabernet die manchmal zu weiche Fülle der Shiraz aus. Reinsortige Abfüllungen sind heute üblicher, doch der alte Verschnitt verschwindet nie ganz aus den Kellern von Coonawarra.