
Cassis, Minze, Tannin
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Halt ein Glas Coonawarra-Cabernet gegen das Licht. Die Farbe verrät schon viel: tief violett bei einem jungen Wein, mit den Jahren wandert sie Richtung Ziegelrot am Rand. In der Nase kommen zuerst dunkle Beeren, Cassis und Brombeere, dazu oft ein Hauch von Pflaume und dunkler Kirsche.
Direkt darunter, manchmal auch darüber, liegt der Duft, der Coonawarra von jedem anderen Cabernet-Gebiet unterscheidet: ein kühler Zug von Minze oder Eukalyptus, der schon beim ersten Einschenken auffällt. Er kommt teils von natürlichen Aromastoffen in der Traube selbst, die in kühlen Nächten besonders gut erhalten bleiben. Teils stammt er von den Eukalyptusbäumen, die rund um viele Weinberge wachsen und ihre ätherischen Öle an die nahen Trauben abgeben. Wein-Fachleute streiten bis heute, welcher Anteil überwiegt.
Am Gaumen meldet sich dann das Tannin, kräftig und griffig in der Jugend, mit den Jahren aber zunehmend samtig. Genau diese Wandlung macht die besten Coonawarra-Cabernets zu Weinen, die man zwanzig Jahre und länger liegen lassen kann. Ein junger Wein wirkt manchmal fast verschlossen. Nach einem Jahrzehnt öffnet er sich zu einem ganz anderen Wein, weicher, komplexer, mit getrockneten Kräutern und einem Hauch Leder.
Der John Riddoch von Wynns zeigt, wohin diese Reise führen kann. Erstmals 1982 abgefüllt, entsteht er nur in außergewöhnlichen Jahrgängen. Er gilt vielen als Maßstab für das, was Coonawarra kann. Wer einmal einen gereiften Jahrgang neben einen jungen gestellt hat, versteht sofort, warum Geduld bei diesem Wein kein Nachteil ist, sondern die halbe Freude.