
Sand, Ton, Basalt
Böden
Grab am Talboden bei Pokolbin ein Loch, und du kommst kaum tiefer als eine Handbreit, bis feiner heller Sand unter den Fingern rieselt. Das ist der Boden, auf dem seit Generationen Semillon steht. Er ist Schwemmboden. Sandig, locker, arm, mit einer schwereren Tonschicht darunter, die im Sommer das letzte bisschen Wasser hält.
Dieser Kontrast aus lockerem Sand oben und dichtem Ton darunter heißt unter Winzern Texturkontrastboden. Die Rebe wurzelt zunächst mühelos, stößt dann auf Widerstand, und genau dieser Widerstand zwingt sie, tief zu gehen, statt sich im obersten Meter auszubreiten.
Fährt man wenige Kilometer weiter an die Brokenback Range, ändert sich alles. Hier stammt der Boden aus verwittertem Vulkangestein, tiefrot, eisenhaltig, und deutlich fruchtbarer als der Sand im Tal. Shiraz und Chardonnay stehen bevorzugt an diesen Hängen, weil das Gestein Wärme speichert und das Wasser trotzdem gut abfließt.
Der Unterschied schmeckt man im Glas. Semillon vom sandigen Talboden bleibt schlank und zitrisch. Shiraz von den roten Basalthängen wirkt dagegen dichter und dunkler, mit mehr Tannin, dem trockenen, pelzigen Gefühl im Mund, das aus den Schalen kommt. Zwei Böden, wenige Kilometer auseinander, zwei völlig verschiedene Weinstile.
Ein Irrglaube hält sich hartnäckig, auch hier: dass die Rebe Mineralien aus dem Gestein schmeckt und im Glas weitergibt. Das Gestein wirkt nur über Wärme und Wasserhaushalt, nie direkt im Mund. Was am Ende zählt, ist, wie tief eine Wurzel gehen musste, um zu überleben. Nicht, woraus der Stein besteht, durch den sie sich gebohrt hat.
Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Gras und Laub, an den Hängen der Brokenback Range selten dicker als eine Handbreit.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die den ersten Regen nach der Trockenheit aufnehmen.