
Cabernet gegen Chardonnay
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Zwei Gläser aus Margaret River nebeneinander zeigen sofort, dass hier keine einzige Handschrift regiert. Im einen steckt ein dunkler, dichter Cabernet-Verschnitt, im anderen ein blassgelber, konzentrierter Chardonnay. Kaum eine andere Region zeigt zwei so gegensätzliche Weine aus derselben Erde.
Beim Cabernet-Verschnitt starte am Rand des Glases. Jung leuchtet er violett-schwarz, nach zehn Jahren wird der Rand ziegelfarben, und dazwischen liegt die beste Trinkzeit. Rieche zuerst nach schwarzer Johannisbeere und Zeder. Erst beim zweiten Schwenken kommt oft etwas Minziges dazu, ein Hauch von Eukalyptus, der von den Karri- und Eukalyptuswäldern rings um die Weinberge stammt.
Im Mund achte auf zwei Dinge getrennt. Die Säure hältst du seitlich an der Zunge fest, das Tannin spürst du als trockenen, fast staubigen Belag am Zahnfleisch, einen Nachklang des Eisenkieses, auf dem die Reben wurzeln. Beides zusammen macht den Wein straff, nicht hart, solange genug Frucht dahinter steht.
Beim Chardonnay ist die erste Nase oft überraschend: ein Hauch von Streichholz oder Feuerstein, bevor darunter Grapefruit und geröstete Cashewkerne folgen. Das kommt vom Fassausbau, nicht von einem Fehler im Wein, und verfliegt meist nach ein, zwei Minuten im Glas. Was bleibt, ist eine Säure, die den Wein trotz des Holzes schlank hält.
Am Ende zähl bei beiden die Sekunden nach dem Schlucken. Ein guter Chardonnay aus der Region hält den Geschmack zehn bis fünfzehn Sekunden, ein reifer Cabernet-Verschnitt aus Wilyabrup oft doppelt so lange. Diese Länge lässt sich im Keller nicht nachträglich einbauen, sie kommt allein aus der Traube.