
Sekt bis Quintet
Verkosten
Sekt aus Coldstream steht meist am Anfang jeder Verkostung im Yarra Valley. Diese Reihenfolge folgt einem einfachen Prinzip: leicht vor schwer, hell vor dunkel. Die feinen Bläschen ziehen als dünne Perlenschnüre nach oben, der Duft erinnert an Toastbrot, Zitronenschale und manchmal frisch gebackenes Brioche. Am Gaumen bleibt trotzdem eine Frische, die selbst nach der langen Reifezeit in der Flasche nie müde wirkt.
Danach kommt der Spätburgunder, meist heller in der Farbe als erwartet, fast durchscheinend am Glasrand, und in der Nase liegen rote Kirsche, Walderdbeere und eine würzige Note, die manche an Piment erinnert. Am Gaumen ist das Tannin fein und die Säure spürbar, nie aufdringlich, aber immer da. Es ist ein Wein mit Struktur, der trotzdem nicht schwer wirkt.
Der Chardonnay daneben zeigt, wie weit sich der Stil seit den Neunzigern verschoben hat. Statt buttriger Fülle stehen Zitrusfrucht, weißer Pfirsich und oft eine feuersteinige Schärfe im Vordergrund, die vom knappen Einsatz neuer Eiche kommt. Wer beide Weine im selben Zug probiert, merkt schnell. Wie unterschiedlich sie reagieren, überrascht trotzdem. Beide Sorten spüren dasselbe kühle Klima, aber jede auf ihre eigene Art.
Zum Schluss, wenn überhaupt verfügbar, kommt ein letztes Glas. Es ist der Quintet von Mount Mary. Der Bordeaux-Verschnitt riecht nach schwarzer Johannisbeere, Zeder und getrockneten Kräutern, schmeckt aber schlanker und kühler als sein Vorbild aus Frankreich, und dieselben Rebsorten finden in einem kühlen Tal am anderen Ende der Welt offenbar einen völlig eigenen Ton.