Böden in der Region Casablanca

Ton über Granit

Böden

Grab in einem Weinberg nahe Tapihue ein Loch. Die Farbe wechselt zweimal, bevor du fertig bist. Oben liegt eine dünne, sandige Schicht, mager und fast ohne Humus, typisch für die trockene Strauchvegetation, die hier vor den Reben wuchs. Gleich darunter kommt roter Ton. Arcilla roja, wie ihn die Winzer hier nennen, ist schwer, wasserspeichernd und leuchtend rostbraun, weil das Eisen im verwitterten Gestein oxidiert ist.

Dieser Ton stammt aus demselben Granit, der die ganze Küstenkordillera Chiles bildet. Vor Jahrmillionen erstarrte er tief unter der Erde. Seither zerlegt ihn die Verwitterung Stück für Stück in feinere Bestandteile, erst grobe Splitter, dann Sand, zuletzt Ton. Wo diese Umwandlung schon weit fortgeschritten ist, findet die Rebwurzel dichten, roten Lehm. Wo sie erst begonnen hat, stößt sie stattdessen auf granito descompuesto, zerfallenen Granit voller grober Körner, durch den Wasser rasch nach unten sickert.

Beide Böden liegen oft nur wenige Meter auseinander. Manchmal sogar in derselben Rebzeile. Der Ton hält Wasser über den ganzen trockenen chilenischen Sommer, der Granit lässt es sofort durch, und Winzer nutzen diesen Unterschied gezielt. Reben auf Ton bekommen deshalb oft weniger künstliche Bewässerung, weil der Boden ihre Wurzeln von unten versorgt.

Im flachen Talgrund sieht der Boden ganz anders aus. Näher am Städtchen Casablanca liegt lockerer Sand. Er ist leicht zu bearbeiten, hält aber kaum Wasser und ist anfällig für Fadenwürmer, sogenannte Nematoden, die jungen Wurzeln schaden. Wer hier pflanzt, kämpft mit anderen Sorgen als am steinigen Hang.

Ein Irrtum hält sich hartnäckig, auch hier: Ein Wein schmecke „mineralisch“, weil die Wurzel Mineralien aus dem Granit sauge und direkt ins Glas weiterreiche. Das stimmt so nicht. Was der Boden tatsächlich liefert, ist Wasser in der richtigen Menge zur richtigen Zeit, und genau das entscheidet, wie klein und wie konzentriert die Beere am Ende wird.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne, humusarme Sandschicht, wie sie unter der trockenen Strauchvegetation vor den Reben entstand.

Die Wurzel: Hier liegen nur die Feinwurzeln. Nach ein paar regenfreien Wochen ist diese Schicht als Erste ausgetrocknet.

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