
Schmal für Säure
Gläser
Ein Sauvignon Blanc aus Casablanca verzeiht das falsche Glas nicht. Seine Säure ist so ausgeprägt, dass ein zu weites, bauchiges Glas sie schneidend wirken lässt, während die feinen Noten von Grapefruit und Stachelbeere im großen Luftraum einfach verpuffen. Ein schmales, tulpenförmiges Weißweinglas hilft hier. Es bündelt den Duft genau dort, wo die Nase ihn zuerst trifft, und lässt die Säure als Rückgrat wirken statt als Attacke.
Bei der Temperatur entscheidet der Nebel mit. Weil die camanchaca die Trauben langsam und kühl reifen lässt, bleibt die Säure im fertigen Wein hoch, und hohe Säure schmeckt bei acht bis zehn Grad frisch, bei Zimmertemperatur dagegen nur noch sauer und dünn. Zwanzig Minuten im Kühlschrank reichen meist aus.
Chardonnay bekommt mehr Raum als der Sauvignon Blanc. Aber nicht so viel wie ein schwerer Burgunder. Ein Glas mit etwas breiterem Bauch lässt die Vanille- und Röstnoten aus dem Fass zur Geltung kommen, ohne die Zitrusfrucht zu ersticken, die auch dieser Wein von seiner kühlen Herkunft mitbringt. Zehn bis zwölf Grad passen am besten.
Pinot Noir aus Casablanca ist heller und leichter, als sein Ruf aus dem Burgund vermuten lässt. Trotzdem braucht er dasselbe große, bauchige Glas. Seine Aromen von roter Kirsche und Veilchen entfalten sich erst durch viel Luftkontakt. Serviert wird er kühler als ein schwerer Rotwein, bei etwa vierzehn bis sechzehn Grad, sonst wirkt der zarte Wein schnell breit und müde.