Gläser in der Region Pfalz

Hoch, schmal, kühl

Gläser

Ein Glas entscheidet. Es bestimmt, wie viel von einem Pfälzer Riesling überhaupt ankommt. Weil das Gebiet zu den wärmsten und sonnenreichsten in Deutschland zählt, reifen die Trauben oft voller aus als an der Mosel. Der fertige Wein bringt mehr Alkohol und mehr reife Frucht mit. Ein zu weites Glas verstärkt genau das: Es spreizt den Wein breit auf und lässt Alkohol und Süße vortreten, während die feine Fruchtsäure verschwindet.

Für den Pfälzer Riesling passt darum ein hohes, schmales Kelchglas mit enger werdender Öffnung, die sogenannte Tulpe. Der schlanke Bauch hält den Wein kühl, weil wenig Oberfläche der Raumluft ausgesetzt ist, und die enge Öffnung bündelt zugleich den Duft, bevor er sich im Raum verliert. Bei einem Großen Gewächs aus dem Pechstein, das oft einen rauchig-mineralischen Ton mitbringt, macht genau diese Bündelung den Unterschied. Zwischen einem stummen und einem sprechenden Glas liegt hier oft nur ein Handgriff.

Bei der Temperatur wird am meisten falsch gemacht, gerade weil die Pfalz so warm ist. Acht bis zehn Grad passen für einen einfachen, fruchtigen Riesling. Ein gereiftes Großes Gewächs aus Deidesheim oder Forst dagegen verträgt zehn bis zwölf Grad, damit sich seine Tiefe zeigt. Zu kalt serviert schmeckt jeder Pfälzer Riesling nach nichts als spitzer Säure; zu warm serviert schmeckt er nach Alkohol und verliert seine Frische.

Ganz anders sieht es beim Dornfelder aus, dem wichtigsten Rotwein der Pfalz. Er hat wenig Tannin und viel Frucht, deshalb braucht er kein bauchiges Bordeauxglas. Besser passt ein mittelgroßes Kelchglas. Dazu eine Trinktemperatur von vierzehn bis sechzehn Grad, kühler, als die meisten Menschen Rotwein servieren. Und egal, welcher Wein im Glas steht: Eingeschenkt wird nur bis zur breitesten Stelle, bei einem üblichen Kelch kaum mehr als hundertfünfzig Milliliter. Der Rest des Glases bleibt frei für den Duft, der sich sonst gar nicht erst sammeln kann.

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