
Schlank statt bauchig
Gläser
Sächsischer Wein hat selten viel Wumms. Die kühlen Nächte im Elbtal halten den Alkohol niedrig und die Säure hoch. Genau das verlangt nach einem Glas, das diese Zurückhaltung nicht noch verstärkt.
Ein bauchiges Glas, wie man es für kräftigen Rotwein nimmt, spreizt einen Goldriesling auf der Zunge so breit. Seine feine Muskatnote verpufft darin im Nichts. Besser passt ein schlankeres Weißweinglas mit leicht verengter Öffnung, das den Duft bündelt, bevor er sich verliert, und ihn genau dorthin lenkt, wo die Nase ihn am besten aufnimmt.
Beim Sekt aus Radebeul liegt der größte Fehler meist im Glas selbst. Die schmale Flöte sieht hübsch aus, presst die Kohlensäure aber so eng zusammen, dass sie auf der Zunge sticht statt zu perlen. Die Röstnoten aus der langen Flaschenreife im Keller von Schloss Wackerbarth kommen darin kaum an. Ein tulpenförmiges Sektglas mit etwas mehr Bauch lässt denselben Wein plötzlich nach Brioche und reifem Apfel duften.
Bei der Temperatur wird viel verschenkt. Ein Goldriesling oder junger Riesling gehört bei acht bis zehn Grad ins Glas, kälter als die meisten es aus Gewohnheit einschenken. Sonst schmeckt die Säure scharf statt frisch. Sekt darf noch kühler sein, sechs bis acht Grad, aber nicht eiskalt, weil sonst außer Kohlensäure kaum etwas ankommt.
Und dann die Menge: Ein Weißweinglas wird höchstens zu einem Drittel gefüllt, nicht mehr. Bei einem Wein, der ohnehin schon zurückhaltend ist, braucht die Nase den ganzen freien Raum darüber, um überhaupt etwas zu finden. Wer randvoll einschenkt, trinkt am Ende vor allem Alkohol und Säure — und verpasst genau das, was einen sächsischen Wein interessant macht.