
An einem Trollinger
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Nimm ein Viertele Trollinger und halte es gegen das Licht. Die Farbe bleibt hell, fast durchscheinend, mit einem bläulichen bis violetten Schimmer am Rand, selbst bei Weinen, die schon ein Jahr auf der Flasche liegen. Das ist keine Schwäche der Sorte, sondern ihre Natur: Trollinger hat dünne Schalen und wenig Farbstoff. Wer hier einen dunklen Wein erwartet, verwechselt ihn mit etwas anderem.
Lemberger daneben wirkt fast schwarz-violett, undurchsichtig bis zur Mitte des Glases. Schon am Aussehen trennen sich die beiden großen Roten Württembergs, bevor überhaupt geschmeckt wird: Riech am Trollinger zuerst ohne zu schwenken, Sauerkirsche, Himbeere, manchmal ein Hauch Mandel vom Kern. Schwenkst du dann, kommt oft eine leicht erdige, fast staubige Note dazu, die viele Wengerter liebevoll als typisch schwäbisch bezeichnen.
Beim Lemberger brauchst du das Schwenken von Anfang an. Unter der dunklen Frucht, Brombeere und Sauerkirsche, liegt fast immer eine würzige Schicht, schwarzer Pfeffer, manchmal Lakritz, bei Barrique-Ausbau dazu ein Hauch Vanille und Röstkaffee. Im Mund achte auf zwei getrennte Eindrücke: Die Säure sitzt seitlich an der Zunge und lässt den Speichel fließen. Das Tannin liegt als rauer Belag am Zahnfleisch und am Gaumen, bei Lemberger deutlich kräftiger als bei Trollinger.
Schillerwein prüfst du am besten neben einem Rosé aus einer anderen Region. Seine Farbe ist unruhiger, mal mehr ins Lachsrosa, mal mehr ins Kupfrige ziehend, weil rote und weiße Trauben eben nicht gleichmäßig Farbe abgeben. Im Geschmack liegt er zwischen den Welten. Mehr Struktur als ein reiner Weißwein, mehr Frische als ein Rotling aus verschnittenen Fertigweinen.
Am Ende zähl den Abgang. Bei einem einfachen Trollinger sind zwei, drei Sekunden schon viel. Das ist kein Makel, sondern der Sinn der Sorte: schnell, frisch, für den nächsten Schluck gemacht. Ein gereifter Lemberger aus besten Lagen hält dagegen zwanzig Sekunden und länger, mit Tannin, das erst nach Jahren weich wird. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die gesamte rote Bandbreite Württembergs.