
Tulpe statt Flöte
Gläser
Ein Glas verändert, wie viel man von der Perlage sieht. Es entscheidet auch, wie viel vom Duft überhaupt ankommt, und bei einem Wein mit so viel Säure wie dem aus Hampshire macht das einen echten Unterschied. Die alte, schmale Sektflöte hält die Bläschen zwar lange zusammen. Sie sperrt darüber aber auch fast jeden Duft ein.
Häuser wie Coates & Seely oder Hattingley Valley füllen ihre Weine deshalb heute meist in eine Tulpe. Das ist ein Kelch mit rundem Bauch und einer Öffnung, die sich wieder verengt. Der Bauch gibt dem Wein Raum, damit sich Aromen wie Zitrus, grüner Apfel oder das Brioche-Aroma aus der Hefelagerung überhaupt entfalten können. Die enge Öffnung bündelt sie danach auf dem Weg zur Nase.
Bei der Temperatur wird häufig übertrieben gekühlt. Sechs bis acht Grad sind für eine einfache Cuvée richtig. Ein gereifter Blanc de Blancs von Hambledon oder Black Chalk verdient dagegen eher acht bis zehn Grad, denn eiskalt serviert schmeckt jeder Schaumwein nach kaum mehr als Säure, weil die Kälte alle feineren Aromen betäubt. Zehn Minuten aus dem Kühlschrank draußen reichen meist schon, um das zu korrigieren.
Eingeschenkt wird schräg und in zwei Zügen, damit der Schaum nicht über den Rand quillt, und nie randvoll. Ein Glas füllt man bis zur breitesten Stelle. Darüber bleibt Platz für die aufsteigende Perlage und den Duft, der sich darin sammelt. Wer randvoll einschenkt, trinkt am Ende vor allem Kohlensäure.