
Granit & Kalkstein
Böden
Grab im Norden des Beaujolais, etwa bei Moulin-à-Vent, ein Loch in den Weinberg. Nach wenigen Zentimetern wird der Boden rosa. Verwitterter Granit zerfällt dort unter den Fingern zu Sand. Das ist der Grund, warum die zehn Crus alle im Norden liegen und nicht im Süden. Sie sitzen auf einem alten Gebirgsstock, der Millionen Jahre älter ist als der Kalkstein weiter unten.
Dieser Granit ist arm und durchlässig. Nährstoffe hält er kaum, Wasser läuft schnell durch ihn hindurch. Genau das bremst die Rebe: weniger Laub, weniger Ertrag, dafür konzentriertere Beeren. Besonders in Moulin-à-Vent enthält der verwitterte Granit auffällig viel Mangan, ein Spurenelement, das die Reben zusätzlich stresst — Winzer der Gegend sagen scherzhaft, ihr Wein reife auch im Boden schon vor.
Weiter südlich, ab etwa der Höhe von Villefranche-sur-Saône, kippt das Gestein komplett. Dort liegt Kalkstein und Ton aus dem Erdmittelalter, schwerer, wasserspeichernder Boden, auf dem Gamay lockerer und alltagstauglicher ausfällt. Das ist der klassische Beaujolais und Beaujolais-Villages, gedacht zum Trinken, nicht zum Lagern. Zwischen beiden Zonen liegt kein fließender Übergang, sondern eine geologische Kante. An dieser Kante beginnen und enden zwei völlig verschiedene Weinstile.
Eine dritte Zone bricht die Regel. Rund um den Mont Brouilly, den Rest eines erloschenen Vulkans, liegt bläulich schimmerndes Gestein, das die Winzer pierres bleues nennen — verhärtete Diorit, entstanden vor rund 380 Millionen Jahren im Innern eines viel größeren Vulkans. Wein von diesen blauen Steinen schmeckt kräftiger und würziger als jeder Nachbar, und wer einmal einen Côte de Brouilly neben einem gewöhnlichen Brouilly probiert hat, schmeckt den Unterschied ohne jede Erklärung.
Dünne, sandige Auflage aus verwittertem Pflanzenmaterial und feinem Granitgrus. In den Crus oft keine Handbreit tief.
Die Wurzel: Hier sitzen nur die Feinwurzeln, die den ersten Regen abfangen — und in trockenen Sommern als Erste vertrocknen.