
Pfeffer und Garrigue
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Nimm zuerst einen Syrah aus dem Norden. Halte das Glas dabei gegen einen hellen Hintergrund. Jung ist die Farbe fast schwarz, mit violettem Schimmer am Rand, und kaum eine andere Rotweinsorte im Rhônetal färbt so dunkel. Nach dem Schwenken kommt schwarzer Pfeffer aus dem Glas, dazu Veilchen, dunkle Beeren und manchmal ein Hauch von geräuchertem Speck oder Oliven — für viele der Fingerabdruck der Sorte.
Im Mund merkst du sofort das Tannin: fest, manchmal fast staubig, vor allem in jungen Jahrgängen. Es braucht Zeit, um weich zu werden. Genau deshalb reifen die besten Côte-Rôtie und Hermitage oft ein Jahrzehnt im Keller. Erst dann zeigen sie ihr volles Aromenspektrum.
Wechsle jetzt zu einem Châteauneuf-du-Pape aus dem Süden, und der Unterschied ist sofort da. Die Farbe ist heller, eher ziegelrot als violett. Selbst wenn der Wein noch jung ist, färbt Grenache von Natur aus schwächer als Syrah. Der Duft wechselt von Pfeffer zu reifer Kirsche, Lakritz und einem trockenen, kräuterigen Ton. Man nennt diesen Ton hier Garrigue: der Geruch von Thymian, Rosmarin und Lavendel, die zwischen den Reben wild wachsen.
Am Gaumen spürst du zuerst Wärme statt Säure — der Alkohol liegt oft bei vierzehn Prozent oder mehr. Das Tannin ist runder, weicher als im Norden, weil Grenache von Natur aus wenig davon mitbringt. Zähl am Schluss, wie lange der Geschmack bleibt, nachdem du geschluckt hast. Bei einem guten Châteauneuf-du-Pape sind es leicht zwanzig Sekunden Garrigue und Kirsche, die im Mund noch nachhallen, lange nachdem das Glas schon wieder leer ist.