Gläser in der Region Savoyen

Für den Perlton

Gläser

Kaum eine Weinregion Frankreichs lebt im Glas so sehr von einem einzigen Gefühl wie Savoyen. Gemeint ist ein leises Prickeln. Viele ihrer Weißweine tragen es mit sich, und man nennt es perlant. Ein zu weites Glas verscheucht diese feine Kohlensäure, bevor sie überhaupt wahrgenommen wird.

Für Jacquère und Chasselas passt deshalb ein schmaler, hoch aufsteigender Kelch, der sich oben leicht verjüngt. Er hält die feinen Bläschen im Wein gefangen, statt sie sofort verpuffen zu lassen. Gleichzeitig bündelt er den zarten Duft nach weißen Blüten und Zitrus. In einem bauchigen Glas ginge dieser Duft einfach über den Rand hinaus verloren.

Bei der Altesse, ob als Vin de Savoie oder als eigenständige Roussette, darf das Glas ruhig etwas mehr Bauch haben. Sie bringt mehr Extrakt und Aromen wie Haselnuss oder Honig mit, die Raum zum Atmen brauchen, ohne dass die Säure gleich spitz hervortritt. Serviert wird sie am besten bei zehn bis zwölf Grad. Das ist spürbar wärmer als eine Jacquère, die ihre Frische bei acht Grad am besten zeigt.

Mondeuse braucht ein anderes Werkzeug. Sie hat Tannin, Säure und eine pfeffrige Würze, die in einem engen Glas hart wirken kann; ein Kelch mit größerer Öffnung lässt Alkohol entweichen und mildert die Schärfe, bevor der erste Schluck den Mund erreicht. Ein junger Arbin verträgt eine halbe Stunde Karaffe gut, ein gereifter dagegen kaum. Sein Tannin ist dann schon weich, und zu viel Luft raubt ihm die Frucht.

Für Crémant de Savoie und den spritzigen Ayze aus Gringet gilt dieselbe Regel wie für die stillen Weißen: eine schlanke Tulpe statt der alten, engen Flöte. Sie zeigt die Perlage genauso fein, gibt dem Duft aber mehr Platz. Bei einem Wein, dessen Reiz genau in diesem Zusammenspiel aus Bläschen und Blütenduft liegt, ist das kein Nebendetail, sondern die halbe Verkostung.

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