
Schwemmland & Basalt
Böden
Grab im Tal von Mukhrani ein Loch, und du kommst nicht weit, bis der Spaten auf Kies trifft. Der Fluss Mtkvari hat hier über Jahrtausende Sand, Schlamm und Steine abgelagert. Schicht um Schicht, jede Überschwemmung eine neue Lage. Für Reben ist das eine gute Nachricht: Wasser läuft ab, Wurzeln kommen tief, und die Traube muss arbeiten, um an Nährstoffe zu kommen.
Unter dem Kies steckt oft grobes Geröll mit dunklen, fast schwarzen Brocken darin — Basalt, herausgewaschen aus dem vulkanischen Hochland der Trialeti-Berge weiter südlich. Dort, rund um Bolnisi, liegt sogar reines Vulkangestein an der Oberfläche, dunkel und porös, ein Erbe alter Ausbrüche. Solche Böden speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts wieder ab, was den Trauben hilft, auch kühlere Nächte gut zu überstehen. Weiter nördlich, in der Ateni-Schlucht, wechselt das Bild komplett. Dort liegt heller Kalkmergel, auf dem seit Jahrhunderten Chinuri für den Schaumwein wächst.
Ein Irrtum hält sich hartnäckig: Der Boden verleihe dem Wein einen mineralischen Geschmack, weil die Wurzel Mineralien aus dem Basalt oder Kalk aufnehme. Das stimmt so nicht. Was über die Wurzel hereinkommt, sind gelöste Ionen in Mengen, die kein Gaumen der Welt herausschmecken könnte. Der Boden wirkt auf einem Umweg. Er wirkt über das Wasser, das er hält oder ableitet, über die Wärme, die seine Steine speichern, und über die Tiefe, in die er die Wurzel zwingt. Genau dieser Umweg erklärt, warum ein Chinuri von Kies ganz anders schmeckt als einer von Basalt, obwohl im Keller nichts anders gemacht wurde.
In Bolnisi geht die Kleinteiligkeit sogar noch weiter. Winzer zählen dort inzwischen mehr als ein Dutzend eigene Kleinlagen. Jede hat ein eigenes Bodenprofil und eigene Windverhältnisse in den engen Schluchten der Mashavera und ihrer Nebenflüsse. Zwei Weinberge, die von der Straße aus wie derselbe Hang aussehen, ergeben deshalb oft völlig verschiedene Weine. Der eine schmeckt mineralisch und straff, der andere weich und rund.
Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Laub und Wurzelresten. Im trockenen Kartli bleibt sie oft nur eine Handbreit dick.
Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie holen, was der Regen gerade bringt — und sind in trockenen Sommern als Erste durstig.