Gläser in der Region Kartlien

Kelch statt Horn

Gläser

Ein kleiner silberner Becher aus Trialeti in Kvemo Kartli stammt aus dem achtzehnten oder siebzehnten vorchristlichen Jahrhundert. Gefunden in einem Grabhügel, steht er heute im Nationalmuseum von Tbilisi. Auf ihm ziehen zweiundzwanzig maskierte Männer mit erhobenen Trinkschalen an neun Hirschen vorbei — eine der ältesten bekannten Trinkszenen der Welt. Schon damals zählte offenbar mehr als nur der Durst.

Bis heute trinkt man in Georgien bei Festen aus dem Khantsi. Das ist ein ausgehöhltes Büffelhorn ohne Stand — wer es hebt, muss es in einem Zug leeren. Für den Alltag am Tisch taugt das Horn trotzdem kaum. Es zeigt weder Farbe noch Klarheit, und die Öffnung bündelt keinen Duft — genau da beginnt die Aufgabe eines richtigen Weinglases.

Für den Atenuri, den Schaumwein aus Chinuri, reicht ein schmales Tulpenglas. Es hält die Perlage lange und wird kühl serviert, bei sechs bis acht Grad, wie ein Weißwein, nicht eiskalt. Der bernsteinfarbene Chinuri aus der Qvevri braucht mehr Raum. Ein bauchigeres Glas, ähnlich einem kleinen Weißweinkelch, lässt die Gerbstoffe aus der Maischegärung sich entfalten, ohne dass der Wein aggressiv wirkt. Serviert wird er wärmer als gewöhnlicher Weißwein, bei zehn bis zwölf Grad. Sonst verschließen sich gerade die interessantesten Noten.

Tavkveri verträgt ein schlankeres Glas als ein wuchtiger Rotwein. Seine blasse Farbe und die zarten Tannine schmecken am besten leicht gekühlt, bei zwölf bis vierzehn Grad, sonst wirkt er schnell dünn. Shavkapito dagegen, kräftiger und würziger, darf in einen etwas weiteren Kelch. Zwei Grad wärmer eingeschenkt, entfaltet er seine pfeffrige Seite. Am Ende zählt bei allen vier Weinen dasselbe: Das Glas soll dem Wein Platz geben, ohne ihn zu übertönen, so wie es der Kelch aus Trialeti wohl schon vor fast viertausend Jahren tat.

Bilder mit KI erstellt · Texte KI-gestützt, redaktionell geprüft

Dürfen wir messen, wie Gustofolio benutzt wird? Dafür würden wir Google Analytics laden und ein Cookie auf deinem Gerät speichern. Das hilft uns zu sehen, welche Bereiche gebraucht werden — mehr nicht. Inhalte deiner Sammlung werden dabei nicht übertragen.

Ohne deine Zustimmung passiert nichts davon, und Gustofolio funktioniert vollständig weiter. Du kannst deine Entscheidung jederzeit ändern. Einzelheiten in der Datenschutzerklärung.