Böden in der Region Nemea

Rotlehm auf Kalkstein

Böden

Grab in einem Weinberg bei Koutsi ein Loch, und nach wenigen Spatenstichen wird die Erde rötlich. Es ist Ton, entstanden aus Kalkstein, der über Jahrtausende verwittert ist. Man kennt ihn rund ums Mittelmeer unter dem Namen Terra Rossa.

Diese rote Schicht ist überraschend dünn. Meist reicht sie nur siebzig bis achtzig Zentimeter tief, dann steht die Wurzel vor massivem Kalkgestein, aus dem der Ton überhaupt erst entstanden ist. Nährstoffe finden sich in dieser Erde kaum, organisches Material fast keines. Genau diese Kargheit zwingt die Rebe, eher in die Tiefe als in die Breite zu wachsen.

Wenig Nahrung bedeutet wenig Ertrag, und wenig Ertrag bedeutet kleine, konzentrierte Beeren. In einer kleinen Beere macht die Schale, in der Farbe und Tannin sitzen, einen größeren Anteil am Ganzen aus als in einer großen. Deshalb gelten die dünnen, kargen Böden von Koutsi unter Winzern längst als eine der besten Lagen der Region. Manche halten sie für Nemeas künftige Spitzenlage.

Wenige Kilometer weiter sieht der Boden völlig anders aus. Um Ancient Nemea liegt tieferer, schwererer Lehm mit Ton und Schwemmsand aus dem Tal, der Wasser speichert und höhere Erträge zulässt. Um Gymno und Achladias dagegen findet man grobkiesige, sandige Böden. Alle drei liegen innerhalb weniger Kilometer, und trotzdem schmeckt ein Agiorgitiko von jedem dieser Böden anders, ohne dass ein Winzer im Keller etwas geändert hätte.

Ein Irrtum hält sich hartnäckig: Ein Wein schmecke mineralisch, weil die Wurzel Mineralien aus dem Kalkstein sauge und direkt ins Glas weitergebe. Das stimmt so nicht — was eine Wurzel aufnimmt, sind gelöste Salze in Mengen, die kein Gaumen der Welt herausschmecken könnte. Der Kalk von Koutsi wirkt nur über einen Umweg. Tagsüber speichert er Wärme aus der Sonne und gibt sie nachts wieder ab. Dazu hält er das wenige Wasser fest, das hier überhaupt fällt — gerade genug, um den Stock über den trockenen August zu bringen.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne, dunkle Auflage aus verrottetem Gras und Kräuterresten. In den kargen Weinbergen von Koutsi kaum eine Handbreit tief.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln. Sie greifen den ersten Regen ab und sind im Sommer als Erste ausgetrocknet.

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