Gläser in der Region Abruzzen

Kraft & Kirsche

Gläser

Montepulciano ist einer der dunkelsten Rotweine Italiens, dicht violett bis fast schwarz, mit Tannin, das man förmlich kauen kann. Für ihn braucht es ein großes, bauchiges Glas wie beim Bordeaux. Die breite Fläche am Boden holt Sauerstoff an den Wein und macht das Tannin runder, bevor es überhaupt die Zunge erreicht. Ein enges Glas würde die Wucht nur einsperren.

Cerasuolo, der kirschrote Rosé aus derselben Traube, verlangt das Gegenteil. Er lebt von Frische, nicht von Kraft, und gehört deshalb in ein schmaleres, tulpenförmiges Glas, das den Duft nach roten Beeren bündelt, statt ihn zu verlieren. Serviert kalt zeigt er sich am schönsten, bei zehn bis zwölf Grad. Wärmer dagegen wirkt er schnell müde und flach.

Bei den Weißen liegt der größte Fehler in der Größe des Glases selbst. Ein Trebbiano nach Art von Edoardo Valentini ist dicht, fast ölig, mit Extrakt wie ein kleiner Rotwein, und ein winziges, enges Glas, wie man es für leichte Weißweine nimmt, wird ihm nicht gerecht. Er braucht Platz, ähnlich wie ein reifer Chardonnay, damit sich seine Aromen von Honig und Wachs entfalten können.

Bei der Temperatur wird viel falsch gemacht. Ein junger Montepulciano verträgt sechzehn bis achtzehn Grad. Ein gereifter Riserva aus den Colline Teramane verträgt gern noch etwas mehr, weil Wärme seine reifen Tannine weicher wirken lässt. Pecorino und Cococciola dagegen gehören kalt ins Glas, acht bis zehn Grad, sonst schlägt ihre Säure in schrille Schärfe um.

Ein alter Trebbiano braucht Luft wie ein Rotwein. Weil Valentinis beste Jahrgänge zwanzig, dreißig Jahre reifen, bevor sie ihren Höhepunkt erreichen, verschließt sich ihr Duft im Glas zunächst fast vollständig. Eine halbe Stunde im Dekanter öffnet, was sonst Minuten bräuchte, um sich von selbst zu zeigen.

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