Böden in der Region Aostatal

Terrassen über Donnas

Böden

Steig in einen Weinberg oberhalb von Donnas und schau nach unten. Du stehst nicht auf gewachsenem Boden, sondern auf einer Terrasse, die Menschenhände vor Jahrhunderten aufgeschichtet haben. Muretti a secco, trocken gefügte Steinmauern, halten die dünne Erde davon ab, den steilen Hang hinabzurutschen.

Unter dieser Erde beginnt fast sofort der Fels. Das Tal liegt in einer geologisch ungewöhnlich verwickelten Zone der Alpen. Beim Auffalten des Gebirges wurde hier Gestein aus großer Tiefe an die Oberfläche geschoben: Glimmerschiefer und Gneis, oft rostbraun gefärbt, hart und wasserarm. Wurzeln, die hier tiefer wollen, müssen sich durch Gestein zwängen statt durch Erde.

Genau das treibt sie an. Wo Wasser knapp ist und Nährstoffe rar sind, wächst die Rebe in die Tiefe statt in die Breite, und kleine, konzentrierte Beeren sind die Folge. Ein Picotendro von diesen Terrassen schmeckt oft dichter als mancher Nebbiolo aus dem viel fruchtbareren Piemont, obwohl im Keller häufig dasselbe Handwerk steckt.

Weiter westlich, bei Morgex und La Salle, ändert sich das Bild vollständig. Dort liegen die Weinberge auf sandigen, granitischen Böden, wie es sie nur am Fuß des Mont Blanc gibt. Dieser Sand ist so durchlässig und mineralarm, dass sich die Reblaus hier nie durchsetzen konnte. Prié Blanc wächst deshalb bis heute wurzelecht, ohne veredelte Unterlage, was in Europa fast einzigartig ist.

Zwischen Donnas und Morgex, im breiteren Mittelteil bei Nus und Chambave, liegen dagegen moränenhaltige Schwemmböden: Geröll und Ton, von eiszeitlichen Gletschern verteilt und seither von der Dora Baltea weiter sortiert. Hier wurzelt Vien de Nus tiefer, als man an der Oberfläche vermuten würde. So findet er in dieser Mischung genug Wasser, um auch trockene Sommer zu überstehen.

Grab dich durchSchicht antippen

Von Hand aufgeschüttete Erde hinter der Trockenmauer, dunkel und durchsetzt mit Steinbrocken. Selten mehr als eine Handbreit dick.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie holen, was der seltene Regen bringt, und sind als Erste trocken.

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