
Zwischen zwei Meeren
Klima
Apulien ist Absatz und Ferse des italienischen Stiefels zugleich, eine schmale Landzunge zwischen zwei Meeren. Im Osten liegt das Adriatische Meer, im Westen das Ionische. Über dem Salento, der südlichen Spitze, treffen ihre Winde aufeinander. An keiner Stelle der Region ist die Küste weit entfernt. Genau das rettet die Reben vor einer Hitze, die auf dem offenen Festland kaum auszuhalten wäre.
Bari hat nach einer aktuellen Auswertung des Sole 24 Ore das beste Klima Italiens, mit durchschnittlich 8,6 Sonnenstunden am Tag. Regen fällt selten. Zwischen vierhundertfünfzig und sechshundertfünfzig Millimetern kommen im Jahr zusammen, nur im Salento, am Gargano und im nördlichen Subappennino Dauno etwas mehr. Für die Rebe bedeutet das Stress. Sie muss mit wenig Wasser auskommen und konzentriert dadurch Zucker und Aromen in kleinen Beeren.
Höhe macht in Apulien einen spürbaren Unterschied, auch wenn die Region insgesamt flach wirkt. Auf der Hochebene der Murge liegen die besten Weinberge zwischen dreihundert und vierhundertfünfzig Metern. Tagsüber brennt dort die Sonne, nachts fließt kühle Luft vom Kalkstein ab. Castel del Monte selbst steht auf fünfhundertvierzig Metern. Dieser Wechsel zwischen Hitze am Tag und Kühle in der Nacht hält die Säure in der Traube fest, während sie im heißen Tal viel schneller verschwindet.
Im Norden ist die Landschaft eine andere. Das Tavoliere delle Puglie, die zweitgrößte Ebene Italiens nach der Poebene, liegt fast eben und sehr warm, besser geeignet für Weizen als für feine Weine, auch wenn dort ebenfalls Reben stehen. Wer in dieser Hitze überhaupt Qualität will, muss den Ertrag drosseln. Deshalb hält sich in weiten Teilen Apuliens bis heute die alte Erziehung als Alberello, als kleiner freistehender Busch ohne Drahtrahmen: Er hält die Trauben tief und beschattet und kommt mit wenig Wasser aus.
Diese Gegensätze erklären, warum Apulien zwei Gesichter hat. In der Ebene entstehen die großen Mengen, kräftig und unkompliziert. Auf der Murge und in den Hügeln des Salento entsteht das andere Apulien: konzentrierter, kühler in der Nacht gereift, mit einer Säure, die die pure Fruchtsüße der Rebsorten zusammenhält.