
Terra Rossa & Kalk
Böden
Fünf bis dreißig Zentimeter: mehr rote Erde bietet die Murge den Wurzeln nicht, bevor darunter der Fels beginnt. Diese dünne Schicht heißt terra rossa. Sie ist kein Erdreich im gewöhnlichen Sinn, sondern ein Rückstand: Kalkstein löst sich im Regenwasser langsam auf. Was übrig bleibt, sind Eisen- und Aluminiumoxide – genug, um die Erde tiefrot zu färben, aber zu wenig, um viele Nährstoffe zu liefern.
Darunter beginnt der Calcarenite di Gravina, ein poröser, brüchiger Kalkstein. Benannt ist er nach der Stadt Gravina in der westlichen Murge. Er bricht in groben Blöcken. Wasser und Wurzeln kommen trotzdem durch die Risse hindurch. Primitivo und Negroamaro treiben genau in diese Ritzen, manchmal einen Meter tief oder mehr, auf der Suche nach Feuchtigkeit, die an der Oberfläche im Sommer längst verdunstet ist.
Erst bei etwa siebzig Zentimetern folgt die dritte Schicht: der Calcare di Altamura. Er ist ein deutlich härterer und kompakterer Kalkstein aus der Kreidezeit und speichert Wasser wie ein Schwamm aus Stein, gibt es aber nur widerwillig ab. Wurzeln, die ihn erreichen, überstehen selbst die trockensten Sommer. Reben mit flacherem Wurzelwerk verlieren im August oft schon ihre Blätter.
An der Küste bei Manduria sieht der Boden anders aus. Dort liegen helle, sandige Böden über einer brüchigen Kalksteinkruste, die man vor Ort tufo nennt. In diesem lockeren Sand überleben manche Primitivo-Stöcke sogar ungepfropft, weil die Reblaus dort keinen Halt findet. Der Sand speichert kaum Wärme über Nacht, dafür reift die Traube hier oft früher und mit noch mehr Zucker als auf der Murge.
Zwei Böden, ein paar Kilometer auseinander, ergeben zwei ziemlich verschiedene Weine. Die rote Erde der Murge hält Primitivo und Negroamaro streng und tanninreich, während der Sand um Manduria sie weich und rund macht, fast schon süß in der Frucht. Wer beide nebeneinander verkostet, schmeckt den Unterschied, ohne je ein Wort über Geologie gehört zu haben.
Dünne rote Auflage aus den unlöslichen Eisen- und Aluminiumresten des aufgelösten Kalksteins, oft nur wenige Zentimeter dick.
Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie holen, was der Regen bringt, und trocknen im Sommer als Erste aus.