Böden in der Region Basilikata

Asche, Tuff, Lava

Böden

Grab am Fuß des Vulture ein Loch, gleich neben einer Aglianico-Rebe. Nach wenigen Spatenstichen wechselt die Erde die Farbe: rötlich-braun zuerst, durchsetzt mit hellen Kalksteinbrocken, dann dunkler und körniger. Was hier liegt, ist kein gewöhnlicher Ackerboden, sondern erstarrte Vulkanasche.

Der Vulture ist seit rund hundertdreißigtausend Jahren erloschen, aber sein Erbe liegt noch überall im Boden. Über Jahrtausende schleuderte er Asche, Bimsstein und Lava aus, die sich in wechselnden Schichten ablagerten. Jede Eruption hinterließ eine eigene Farbe: rot und blau von Eisenverbindungen, schwefelgelb bei den Lapilli, den kleinen erstarrten Gesteinskörnern, grau bei reiner Asche. Kaum ein Weinberg in der Basilikata gleicht dem nächsten.

Dieses Material hat einen entscheidenden Vorteil: Es lässt Wasser fast ungehindert durch. Der feine, aus Asche und Lapilli entstandene Sand drainiert so gut, dass Staunässe an den Hängen des Vulture praktisch nicht vorkommt. Gleichzeitig steckt in der verwitterten Asche reichlich Phosphor, Magnesium und Kalium. Diese Nährstoffe brauchen junge Reben zum Wachsen, und auf gewöhnlichem Lehmboden sind sie oft knapp.

Wo der Untergrund locker und nährstoffreich zugleich ist, wächst eine Rebe kräftig, aber nicht wahllos. Die Wurzel der Aglianico-Rebe zieht sich durch Asche- und Lapillischichten in beachtliche Tiefe, immer auf der Suche nach dem Wasser, das sich in Rissen des darunterliegenden Tuffs oder Lavagesteins hält. Genau dieser Umweg über poröses, aber kühles Gestein hält die Reben auch im trockenen August grün.

Ein Gerücht hält sich hartnäckig: Der Wein schmecke mineralisch, weil die Wurzel Gesteinspartikel aufnehme und ins Glas weiterreiche. Das stimmt so nicht. Die Rebe nimmt nur gelöste Ionen auf, in Mengen, die niemand herausschmecken kann. Was wirkt, ist etwas anderes: Wasserhaushalt, Nährstoffangebot und die Wärme, die dunkles Gestein tagsüber speichert und nachts wieder abgibt — ein Umweg, aber ein wirksamer.

Weiter südlich, um Matera, hört der Vulkan auf, das Bild zu bestimmen. Dort liegen Kalkstein und Ton aus einem Meeresboden, der einst die Gegend bedeckte — trockener, härterer Untergrund, auf dem statt Aglianico vor allem Primitivo gedeiht. Zwei Böden, eine Region, zwei völlig verschiedene Weine.

Grab dich durchSchicht antippen

Verwitterter, eisenreicher Lehm, durchsetzt mit hellen Kalksteinbrocken — die oberste, humusreichste Schicht über dem Vulkangestein.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie greifen, was der Regen bringt, und sind nach wenigen trockenen Tagen erschöpft.

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