
Schaum will Platz
Gläser
Ein Glas für Lambrusco braucht vor allem eins: Platz für Schaum. Wer ihn in eine schmale Flöte füllt, wie man sie für Champagner nimmt, presst die Perlen zusammen. Verloren gehen dabei genau die Fruchtaromen, die diesen Wein ausmachen — Kirsche, Veilchen, manchmal Brombeere.
Besser passt ein Tulpenglas mit weiterem Bauch, das sich zum Rand hin wieder verengt. Es lässt der Kohlensäure Raum zum Perlen, sammelt aber trotzdem den Duft oben in der engeren Öffnung. Bei einem Lambrusco di Sorbara, dessen Veilchenduft zart bleibt, macht dieses Glas den Unterschied zwischen einem Wein, den man riecht, und einem, den man nur trinkt.
Die Temperatur folgt der Sorte. Ein zarter Lambrusco di Sorbara verträgt zehn bis zwölf Grad, fast wie ein Weißwein. Bei Zimmertemperatur wirkt seine Säure plötzlich schwach und der Zucker vordergründig. Ein kräftiger, tanninreicher Grasparossa di Castelvetro darf zwei, drei Grad wärmer ins Glas, weil das Tannin sonst zu hart hervortritt.
Beim Einschenken zählt Ruhe. Lambrusco schäumt beim Öffnen stärker als mancher Sekt. Also kippt man ihn langsam an der Glaswand entlang und wartet, bis sich der erste Schaum legt. Erst dann füllt man nach — sonst steht am Ende ein Glas voller Blasen und wenig Wein.
Für Albana passito gilt eine eigene Regel. Der dichte, goldbraune Süßwein aus getrockneten Trauben bekommt ein kleineres Glas mit weiter Öffnung, damit sich Aromen von Aprikose, Honig und Safran entfalten können. Er kommt kühler auf den Tisch als ein Rotwein, aber wärmer als ein trockener Weißwein: zehn bis zwölf Grad, aus einem Glas, das kaum größer ist als eine Handfläche.